Tag 11 – von Bad Rothenfelde nach Senden



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Tag 10- von Bad Rothenfelde nach Senden

Oh ja, so kann es gern weiterlaufen. Heute passt einfach Alles!
Die Stimmung ist gut, das Fass schnell geräumt und da das Zelt noch Zeit zum trocknen benötigt, können wir ganz in Ruhe trödeln und kommen so zwar erst um 11:30 Uhr vom Platz, dafür aber sehr entspannt.
Der nächste Supermarkt ist schnell gefunden und so versorgen wir uns erst einmal mit Frühstück und dem notwendigen Reiseproviant. Aus Tinas Packtaschen bauen wir uns einen Frühstücksraum direkt auf dem Parkplatz der Freiwilligen Feuerwehr von Bad Rothenfelde, die gestern während des Unwetters wahrscheinlich im Dauereinsatz war. Und weil heute hier alles so ruhig ist, philosophieren wir ein bisschen über das architektonisch wirklich schöne Gebäude.  Grauer Backstein mit dezenten roten Elementen, d.h., pro Fensterrahmen eine rote Leiste. Irgendwie fast schick.

Der heutige Fahrtag steht gerade noch überhaupt nicht fest. Wir haben zwar ein Zwischenziel, nämlich Haltern am See, das ist aber insgesamt nur 95 Kilometer entfernt. Also steht die Frage im Raum, heute kurze Etappe, dafür morgen eine längere, oder heute lang und morgen kurz?

Im Kranencamp können wir das alles alleine nutzen, denn die anderen Reisenden haben Wohnmobile

Ein Campingplatz liegt vor dem Ort Senden und einer dahinter. Wir knobeln, kommen aber auf Grund des Unwissens über unsere Fitness zu keinem eindeutigen Ergebnis. Da beide Plätze fast direkt auf der Strecke liegen, entscheiden wir später zu entscheiden. Klingt sinnvoll. Alter Schwede, sind wir flexibel.
Ich hoffe, ich liege richtig mit meiner Ortsbezeichnung, denn wo das Münsterland anfängt, aufhört und mittendrin ist, scheint keiner so genau zu wissen. Wir schon gar nicht. Jedenfalls hat uns das Münsterland lieb und unser treuer Begleiter, der Rückenwind, ebenso. Es läuft alles wie am Schnürchen. Kleine, idyllische Ortschaften wechseln sich ab mit kleinen, idyllischen Wäldern, mit kleinen, idyllischen Äckern, mit kleinen, idyllischen Bächen… ach, nach dem Ruhetag ist irgendwie alles idyllisch und so überfahren wir die Grenze nach Nordrhein-Westfalen, ohne es überhaupt zu bemerken. Keine unnötigen Pausen, keine kräftezehrenden Berge, nur ein bisschen Spießigkeit und dank des Navis kaum Verkehr. Schon witzig, dass ich da vorgestern noch im Schlusssprung reinhopsen wollte.

So landen wir auch in Rekordzeit in dem kleinen, und sehr süßen Städtchen Telgte – gesprochen Tellchte –, das wir kurzerhand zum Mittagspausendomizil erklären. Kurze Rechnung: Es ist knapp 14 Uhr und wir haben tatsächlich schon Halbzeit. Und das, obwohl wir erst um 12:15 Uhr Bad Rothenfelde gestartet sind. Looft! So können wir die Zeit noch für ein paar andere Dinge nutzen und Tina besorgt sich in der Apotheke ein Super-Spezial-Kunststoffpflaster, da ihr Sensor sich abzulösen droht. So Super-Spezial, dass es auch knapp 15 Kilometer halten wird. Ich hingegen kümmere mich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben und kaufe ein Eis, bei einer sehr jungen Verkäuferin, die mir für vier Kugeln dann auch echt zwei Euro abnehmen möchte. Ich rechne nach und flüstere ihr dann zu ¨Nee, vier Euro! ” Ihr Chef verdreht die Augen und erwartet, dass wir es ihm von den Lippen ablesen: “Sie ist noch neu.” Das Mädchen wird rot, wir nicken und versichern, alles prima. Ich kann Gewicht von meiner Geldbörse in meinen Magen um verlagern (was übrigens viel zentraler und schwerpunkttechnisch auch optimaler ist), Tina hat ein enttäuschendes Pflaster Für zehn Euro, der Eisdielenchef (natürlich Italiener) vier, statt nur zwei Euro mehr in der Kasse und die junge Dame bald garantiert wieder mehr Tagesfreizeit. Top! Alle zufrieden, dann ab aufs Rad gen Münster. Zu Münster sei gesagt, dass hier nicht nur der beliebteste “Tatort” Deutschlands entsteht, sondern dass es auch eine der fahrradfreundlichsten unseres Landes ist. Mein Navi schlägt uns trotzdem die Umfahrung vor und so werden wir es vermutlich nie erfahren.

Darauf sind sie im Kranencamp stolz: Den eigenen Hafen, unweit vom Kanal

So stoppen wir erst wieder in dem südlichen Vorort Angelmodde, das uns mit seinem durchquerenden Flüsschen zu einer kleinen Hitzepause einlädt. Hier können wir allerhand seltsames Getier beobachten, allem voran eine Dame, die in kompletten Sätzen zu ihrem extrem übergewichtigen Kinderersatz namens Hund spricht und sich sehr darüber ärgert, dass Daisy ihren komplexen Ausführungen nicht folgen kann. Warum greife ich an solchen Stellen eigentlich nicht freundlich und bildungsbewusst, sprich besserwisserischer ein? Erkläre der Zweibeinerin am Ende der Leine, dass ihre Daisy nur deswegen immer das angeblich falsche tut, weil sie verwirrt ist von Frauchens Unsicherheit? Ach, ihr Hundeshalter dieser Welt. Hört endlich auf, eure Tiere zum Kinderersatz zu degradieren. Lest einfach mal ein Buch, wie z.B. Hunde funktionieren. Ich bin sicherlich kein Experte, aber ein vorwurfsvolles “Daisy! Jetzt hör aber mal auf, da geht es doch nicht lang. Du musst doch nicht immer da gehen, wo du nicht sollst. Und jetzt komm endlich, hier lang.” -, KEIN noch so kluger Hund dieser Welt versteht auch nur ein Wort. Ich habe ungefähr sechs Kilometer lang darüber nachgedacht, mit wem ich mehr Mitleid habe: Mit Daisy oder ihrem Frauchen. Am Ende siegte Daisy. Und just in dem Moment als Tina wieder antritt, um einen kleinen Berg zu überwinden, hält mich auch noch eine Dame an, die auf dem geliehenen Rad ihrer Schwägerin unterwegs ist. Sie bittet mich, ihr den Sattel nach oben zu stellen. Mein Christian, dein Freund und Helfer. Er wollte ihr eigentlich den Lenker höher stellen und ist sicher, dass der Sattel viel zu hoch war. Aber weiblicher Überredungskunst ist er nun mal nicht gewachsen und erfüllt dann eben jeden noch so bekloppten Wunsch. Ich darf das sagen, denn ich weiß genau, wovon ich rede. Durch diese Begegnungen werden wir den ersten großen Verlust dieser Tour erst später auf dem nächsten Campingplatz bemerken. Unsere wilde Fahrt durch die Münsteraner Umgebung geht noch einmal drei Kilometer weiter und wir halten als letztem Zwischenstopp an einer Apotheke, in der sich Tina von Ihrem Super-Spezial-Kunststoffpflaster trennt und es gegen ein braunes Pflaster von der Rolle ersetzt, das übrigens bis zum Ablauf des Sensors halten wird. Und garantiert noch weit darüber hinaus. Es geht doch nix über den schicken Leukoplasten. Unglaublich unsexy, dafür wahnsinnig wirksam.

Gartenhaus mit schicker Veranda: Neudeutsch Glamping.

Perfekt ausgerüstet, noch immer gut gelaunt, sind wir bereits am ersten Campingplatz der heutigen Etappe vorbei gerauscht und entscheiden uns für die Variante heute lang, morgen kurz. Was in Zahlen bedeutet:  Nach 73 Kilometern landen wir dann gegen 19.15 Uhr auf dem heutigen Platz, der uns neben den üblichen Dauercampern zusätzlich aber mit einer Hütte für Radfahrer überrascht, die uns den Zeltaufbau erspart. Stell ein schnödes Gartenhaus auf einen Zeltplatz, nenn es Bike&Bed und Schwups, machst du zwei Radler überglücklich. In der Hütte stehen zwei etwas massivere Feldbetten, die wir zusammenrücken und somit die zweite Nacht in Folge fast wie zu Hause nebeneinander einschlafen können. Ein Vordach, ein Grillplatz, Strom, Wasser am Platz und ein dicker Niederländer, der den ganzen Abend Fernsehen auf seinem Smartphone schaut, während seine Frau in Ruhe ihren vierten Pullover des Urlaubs strickt. Urlaub auf niederländisch. Wie schön. Wir fahren noch einmal in die Baustellenstadt Senden, um uns für Abendessen einzudecken, kochen, duschen und nach exakt keiner Flasche Wein (stand zwar auf dem Zettel, hat es aber nicht in die engere Auswahl geschafft) zum Kniffeln gehen wir ziemlich zufrieden ins Bett. Nur eines fehlt: Tinas Fahrradschloss. Das liegt irgendwo in Münster und friert und ist allein… Abgehauen ist es, das dumme Ding. Weil es sich gelangweilt hat. Dabei habe ich ihm extra einen Außenplatz, direkt an der linken Satteltasche geschenkt. Freie Sicht auf alles! Und, was tut es, das undankbare Schloss? Ich bin empört. Enttäuscht. Und sehr sehr traurig. Hörst du, ABUS-9562? SEHR traurig!

Beute! Passt in eine vordere Packtasche und reicht für zwei komplette Tage

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