Tag 24 – von Dishoek nach Vrouwenpolder



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Tag 24 – von Dishoek nach Vrouwenpolder

Heute ist es endlich soweit und ein weiterer Höhepunkt der Tour steht an: Ein Regentag!

Auch wenn es mit Mary und Robert echt lustig und gemütlich ist, aber direkt nach dem Aufstehen den Hasen dabei zu beobachten, wie er mal wieder Kinder für das gemeinsame Spaßprogramm einsammelt, ist einfach zu viel! Ich denke, Rattenfänger von Hameln, und bin schon wieder fassungslos, ob der dröhenden Musik und der vor Begeisterung kreischenden Kinder, die dem wild winkenden Hoppler hinterherrennen. Ich bin heute wieder einmal viel zu früh wach. Der Husten und die einsetzende Sonne treiben mich aus dem Zelt, und so beschließe ich, noch ein bisschen Schreiberei hinter mich zu bringen. Es ist kurz nach 6 und auf dem Campingplatz herrscht noch Ruhe und Frieden. Von den angekündigten Kinderlärm haben wir heute Nacht nichts mitbekommen, was eventuell daran lag, dass Tina während meiner gestrigen Dusche kurz bei deren Eltern um ein bisschen Ruhe gebeten hat. Mary erzählte, dass die junge Generation Camper offensichtlich keine Ahnung hat, wie man sich auf einem Campingplatz benimmt. Wie? Naja, Rücksichtnahme, ab 22 Uhr ist eben Platzruhe und dann wird geflüstert, statt lautstark die Kinderentwicklung diskutiert. Also bin ich direkt zu unseren Nachbarn – drei deutsche Elternpaare, alle um die Ende 20, Anfang 30 -, und habe sie mit gesenkter Stimme darauf aufmerksam gemacht, dass man jedes Wort im 10 Meter entfernten Zelt hört… Puh, manchmal komme ich mir vor wie Else Kling. Während ich schwer ins Schreiben vertieft bin, bemerke ich kaum, dass sich der Himmel langsam zuzieht. Erst als die ersten Tropfen aufs Display fallen, erkenne ich den Ernst der Lage und spurte zum Zelt, um einige vor dem Eingang verstreute Dinge in Sicherheit zu bringen. Kaum ist alles weg, hört auch der Regen auf. Trotzdem ist es noch immer viel zu früh, um Tina zu wecken und so nehme ich das Tablet, um einen erneuten Schreibversuch zu unternehmen. Gegen 8 beschließe ich, die Blogerei ab jetzt langweilig zu finden und schleiche vorsichtig ans Zelt, um mal nach meiner Dame zu schauen. Diese sitzt bereits zwar noch etwas zerknautscht im Zelt, hat aber übermütig gute Laune. Zumindest bis zum großen Auftritt von Koos Konijn – dem dusseligen Nervhasen. Was für die meisten Eltern hier wahrscheinlich toll ist, haben sie doch jetzt ein bisschen Zeit für sich, nachdem das verlauste Viech ihre Kinder adoptiert hat, ist für uns eher grenzwertig. So lässt auch mein Husten spontan nach und ich fühle mich superfit und unglaublich ausgeruht für die heutige Etappe. Noch eine Nacht werde ich hier auf keinen Fall verbringen!

Kurz vor Abfahrt startet der Regen – pausiert für eine viertel Stunde und hört dann nicht mehr auf

Ein weiteres Mal kündigt sich Regen an und ich dränge darauf, das Zelt abzubauen und die Räder fahrfertig zu machen. Ist erst einmal alles in den Taschen, stört mich der Regen nicht mehr sonderlich, denn einen Unterschlupf für sich selbst findet man zum Glück fast überall. Robert und Mary laden uns derweil zu einem letzte Tee bzw. Kaffee ein und beginnen ihrerseits ebenfalls mit den Abbauarbeiten. Sie wollen heute weiter nach Domburg, wo sie einen lang ersehnten Platz auf einem Campingplatz ergattern konnten. Wir sind zum Frühstück bei Mary und Robert eingeladen, aber irgendwie kriegen wir das nicht gebacken. Zwischen Artikel-schreiben und Räder zusammenpacken passt kein entspanntes Tee- bzw. Espresso-trinken. Und dann beginnt es auch schon zu tröpfeln. Eine herzliche Verabschiedung und das Versprechen in Kontakt zu bleiben später setzen wir uns auf unsere Räder und fahren zur Ausfahrt, nur um 30 Sekunden später von einem einsetzenden Regenschauer unter das Vordach der an den Platz angeschlossenen Imbissbude gezwungen zu werden. Das hat auch einen Vorteil, können wir doch Mary und Robert beim Verlassen des Platzes eine halbe Stunde später noch einmal zuwinken. Unsere Abfahrt hat sich auf 13 Uhr verschoben, und meine gute Laune wird vom Regen weggewaschen. Als sich die ersten verzweifelten Strandbesucher ebenfalls unter dem Dach in Sicherheit bringen und es langsam aber sicher voll zu werden droht, lässt der Regen endlich soweit nach, dass wir beschließen, die Strecke in Angriff zu nehmen. Unser Glück hält auch sagenumwobene fünf Minuten an, bis der Regen mit einer ungeahnten Heftigkeit zurückkommt und wir auf einem leeren Parkplatz erst einmal die Zeltplane über unsere Köpfe ziehen müssen, um nicht binnen kürzester Zeit komplett durchnässt zu werden. Das ist zwar schon irgendwie gemütlich, aber für unsere Tour ein bisschen hinderlich. 

Ab jetzt kennt das Wetter keine Gnade mehr und unterscheidet sich lediglich in der Intensität des Regens. Ein stetiger Wechsel zwischen viel und sehr viel zwingt uns während des Fahrens immer wieder dazu, zu pausieren und unseren Kleidungsvorrat anzufassen, um uns eines trockenen Shirts oder einer wärmende Jacke zu bedienen. Ich habe mal wieder etwas gefunden, um meine schlechte Laune zu verdoppeln. Die Regenjacke! Teuer bezahlt, vom gleichen Ausstatter wie unser großartiges, wunderbares Zelt und meine grandiosen Radlerhosen – VAUDE – versagt, wie eine teure Regenjacke nur versagen kann. Ich werde nass. Klitschnass. Und immer ruhiger. Zum Ausflippen ist es einfach zu ungemütlich und zu kalt. Zu allem Unglück führt uns die Karte auch noch ein wenig an der Nase herum und gibt uns keine Möglichkeit, meine Schlamperei beim morgendlichen Planen in irgendeiner Form zu kompensieren. Wir fahren im Zickzack und fliehen zwischendurch mal unter das Dach einer Tankstelle, mal unter das Vordach einer örtlichen Pflegestation. Auch auf die radreisefreundlichen Öffnungszeiten der Supermärkte ist hier kein Verlass und somit fällt eine Verpflegung für das heutige Abendessen auch ins sich inzwischen überall sammelnde Regenwasser. Zu all der Ungemütlichkeit kommt tatsächlich der scheinbar unzerstörbare Humor meines Chef-Navigators. Er ist offensichtlich krank – was er übrigens ziemlich gut runterspielen kann, sodass mir gar nicht bewusst wird, wie angeschlagen er tatsächlich ist – und trotzdem nicht verlegen um ernsthaft doofe Sprüche wie: „Nur wer mal einen Tag im Regen gefahren ist, kann von sich sagen, ein echter Reiseradler zu sein.“ Oder: „Das lässt sich prima erzählen, zuhause, in ein paar Wochen. Dann lachen wir drüber.“ Äh, ‘tschuldigung, dass mich dieser Aspekt gerade kein bisschen interessiert.

In der kleinen Stadt Serooskerke lässt das Wetter dann endlich von uns ab und wir beginnen an der Erreichbarkeit des heutigen Zieles zu zweifeln. Seit der Verabschiedung von unseren beiden Münchnern Campern sind inzwischen dreiStunden vergangen und wir haben gerade einmal 22 Kilometer geschafft. Weitere 45 Kilometer sind unser beider Meinung nach illusorisch, zumal wir dringend zumindest einen Wäschetrockner bräuchten, um die ganzen durchgeweichten Klamotten wieder irgendwie nutzbar zu machen. Also planen wir kurzerhand um und entscheiden uns, nach den guten Erfahrungen des letzten Platzes, noch einmal für eine Naturkämperei in ca. 10 Kilometern Entfernung. Einmal mehr ist es überraschend, dass sämtliche Distanzen unter 30 Kilometer wie ein Katzensprung erscheinen. Und sogar 30 Kilometer und mehr wirken nicht mehr bedrohlich oder auch nur irgendwie vorauseilend erschöpfend. Und wahrlich, es ist auch ein toller Platz, der uns nach dem Durchfahren des wunderschönen, fast mittelalterlichen Örtchens Veere erwartet. Ich möchte zum Campingplatz und dann mit trockenen Füßen zurück nach Veere. Ja, vermutlich wieder mal Touri-Nep, aber die vielen kleinen Cafés und geöffneten Geschäfte wecken eine Sehnsucht in mir, wie bislang nicht einmal auf der Fahrt. Ich sehe mich schon kleine Mitbringsel erbeuten…

Bei Regen bleibt einem eben nichts anderes übrig, als den Gaskocher im Zelt anzuwerfen

Es gibt hier Natur so weit das Auge reicht, Duschen und auch ein paar Toiletten. Nur eine Waschmaschine und einen Trockener gibt es leider nicht. Aber gerade heute ist beides unerlässlich und so ziehen wir schweren Herzens wieder von dannen, um nach einem anderen Platz Ausschau zu halten. Eine Sache will ich allerdings noch wissen: Wie teuer ist diese Campingoase eigentlich? Da es hier keine klassische Rezeption gibt, sondern nur einen Automaten, an dem man seine Übernachtung buchen kann, versuche ich zumindest theoretisch einmal eine Übernachtung zu erstehen. Als der Automat von mir theoretische 37 € verlangt, falle ich fast in Ohnmacht. Dann kaufe ich lieber ein paar Kisten Krombacher und rette den Regenwald damit. Der Platz ist wirklich ein Traum. Mitten im Wald gelegen, ein Teich, der schon beinahe See ist; ein verzweigter Bachlauf, über den Holzbrücken führen; kleine Lichtungen, auf denen man sein Zelt genauso wie sein Wohnmobil stellen kann. Und dann kommt da noch dieses ziemlich alte Radler-Pärchen. Sie filmt ihn, als er auf den Platz fährt. Zwei, die mit Sicherheit seit Jahrzehnten regelmäßig mit Rad und Zelt unterwegs sind. Zu gerne hätte ich ein paar Geschichten von ihnen erfahren. Nach ein paar weiteren Versuchen, einen Campingplatz zu finden, der nicht unverschämt teuer ist, werden wir in endlich in dem kleinen, ebenfalls sehr touristischen Ort Vrouwenpolder fündig. Hier können wir für einen erschwinglichen Betrag unser Zelt aufschlagen und sowohl die Waschmachine als auch den Trockner benutzen. Der Betreiber verlangt gerade mal 22 Euro und dann ist da ja noch sein zweijähriger Schäferhund, der sich hingebungsvoll den Bauch kraulen lässt und liebevoll mein Handgelenk zwischen seine strahlend weißen Zähne nimmt und überhaupt schrecklich albern ist. Wo ein Köterkind rumrennt, da können wir uns entspannen. Trotzdem sind wir ein bisschen deprimiert. Denn dafür, dass wir gerade einmal die Halbinsel durchquert haben, haben wir insgesamt über 5 Gesamtstunden gebraucht und dabei lediglich eine Strecke von 42 Kilometern zurückgelegt. Hast du nicht gesagt, Luftlinie haben wir gerade mal 15 Kilometer überbrückt? Während wir die Wäsche waschen, kocht Tina uns aus unseren letzten nahrhaften Vorräten noch ein leckeres Abendessen und irgendwie fühle ich, dass mir die Puste ausgeht…

Zum ersten und einzigen Mal gibt es ein drei-Gänge-Menue. Gekocht im Zelt, in einem Topf. Hat geschmeckt.

Herzlich Willkommen

Zur chaotisch-schönen Radreise des Klingo-Castle Teams. Begleite uns durch eine aufregende Berg und Talfahrt von Potsdam über Brügge nach Amsterdam.

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TINA

siehst du diese Farbe, liest du meine Gedanken oder Anmerkungen zu Christians Text.

Christian

siehst du diese Farbe, liest du meine Gedanken oder Anmerkungen zu Tinas Text.

Tag 21 – von Kamperhoek nach Brügge



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Tag 21- von Kamperhoek nach Brügge

Rückblick 1: Wir schreiben einen grauen Samstagabend im November 2017. Heute liegt nichts an und so beschließe ich, Tina endlich einen meiner Lieblingsfilme unterzujubeln. Ein Film, in dem es um zwei Auftragskiller geht, die einen Job vermasseln und untertauchen müssen. Ein Film, in dem die beiden Hauptdarsteller unterschiedlicher kaum sein könnten, und ein Film über eine Stadt, die eine Mischung aus langweiliger Geschichtsstunde und aufregendem Mittelaltermärchen zu sein scheint, reduziert auf sich selbst am Rande eines modernen Universums. “Brügge sehen und sterben” ist ein Film voller Widersprüche und unüberwindbarerer Differenzen und er hat kein Happy End, außer diesem, dass er innerhalb von 107 Minuten auch in Tinas Top-10-Liste der Filme ziemlich weit nach oben schießt. Und eigentlich sind dieser Samstagabend und dieser Film der Auslöser und der Beginn der Tour, auch wenn ich ihn bis Februar 2018 nur als Film und nicht als Ziel im Sinn behalte. Ich LIEBE Brendan Gleeson, und Colin Farell war nie besser als in diesem Film vom wunderbaren irischen Drehbuchautor und Regisseur Martin McDonagh.

Rückblick 2: Letztes Jahr ist schief gelaufen was nur schieflaufen konnte. Zu wenig Urlaub, zu viel Krankheit, zu schlechtes Wetter. Unserer Fahrradreise nach Prag stand vermutlich von Anbeginn unter keinem guten Stern, auch wenn die Rahmenbedingungen gut waren. Die Ausrüstung war vorhanden, der Wille da und die Vorfreude groß. Vielleicht ein bisschen zu groß? Vielleicht alles zu Anspannung, Erfolgs- und Erwartungsdruck mutiert? Was genau der Grund war, warum so viel schief gegangen ist, wissen wir nicht. Aber heute, fast ein Jahr danach, ist es auch egal. Wir planen erneut eine Tour. Um dieses Mal die Vorfreude möglichst klein zu halten, plane ich allein und wann geht das besser als an einem echt langweiligen Arbeitstag, an dem aber auch rein gar nichts passiert? Nur ein Ziel habe ich noch nicht. Ich weiß nur, diesmal muss es nach Westen gehen, um den Emotionshammer, den die osteuropäischen Staaten bei mir verursacht haben, mit möglichst wenig Wucht zuschlagen zu lassen. Weil, wenn einer in Emotionen kann, dann ist es Tina.
Also kreise ich mit der Maus über die Weltkarte und überlege, welche Länder ich gern besuchen würde. Klar, mein Plan nach Spanien steht noch, ist aber zu weit, um es Tina als erste Tour anzutun. Deutschland komplett durchfahren, nach Frankreich und dann nach Spanien… ich weiß nicht. Zumal mein eigenes Budget das eigentlich auch nicht hergibt. Vielleicht Irland? Tina hat hier ein paar Monate gelebt und ist immer wieder gern zurückgekommen. Aber Irland bedeutet eben auch quer durch Deutschland, die Niederlande, Belgien, Nordfrankreich und dann mit der Fähre nach Irland übersetzen oder erst nach England und dann von da aus.
Beim Berechnen der ungefähren Route fällt mir eine Stadt ein, die wir, so haben wir uns nach dem Film gegenseitig versprochen, einmal besuchen wollen. Brügge! Warum eigentlich nicht Brügge? Ich lasse Google die Strecke durchrechnen und das Ergebnis ist mehr als zufriedenstellend. “Nur” 832 Kilometer sagt der Routenplaner. Ich öffne ein zweites Fenster mit einer Webseite eines Reiseradlernetzwerkes und klicke mich entlang der vorgeschlagenen Route durch die Übernachtungsmöglichkeiten. Das verlängert die Strecke ein bisschen, aber selbst wenn wir zelten würden, wäre kaum einer der Campingplätze direkt auf der Strecke. Am Ende des Arbeitstages weiß ich: 879 Kilometer in 20 Tagen durch drei Länder. Fast einen ganzen Monat also und dann? Wie kommen wir zurück? Bekomme ich so lange Urlaub? 3 Wochen sollten gehen. Das bekomme ich vielleicht durchgesetzt, aber 6 Wochen? Mein Chef zeigt mir einen Vogel. Heute ist wohl kein guter Tag für einen frühen Feierabend. Also mache ich Überstunden und suche nach einem Rückweg. Von Brügge aus wird es schwierig. Es gibt nicht einmal eine direkte Zugverbindung nach Amsterdam, von wo aus ein IC direkt nach Berlin fährt. Wenn wir mit dem Zug von Brügge nach Hause wollen, bedeutet das, nach London oder Paris zu fahren und dann nach Berlin. Eine ganz schöne Juckelei und vor allem eines: sehr teuer. Ich frage Google noch einmal nach einer Route von Brügge nach Amsterdam. Und ohne ein konkretes Ziel zu nennen, schicke ich Tina folgende Eckdaten: 24 Tage + einige mehr bei Bedarf. 1200 Kilometer, 3 Länder. Also alles sehr entspannt und völlig stressfrei. Muss nur noch das Wetter mitspielen.

Sieht aus wie ausgestopft, ist aber nur vor Schreck erstarrt und flüchtet kurz darauf in seinen Stall

Wir schreiben den 27.02.2018 und unsere Tour ist geboren und nur einer weiß Bescheid, wo es hingeht: ICH! Vor Vorfreude reibe ich mir die Hände und bin auch ein bisschen stolz darauf, nichts verpetzt zu haben. Fahrradfahren verlernt man angeblich nicht und scheinbar ist es mit dem Recherchieren ähnlich. Denn als ich an diesem Abend voller Überstunden völlig überarbeitet nach Hause komme, hat meine Ex-Journalistin ein Grinsen auf den Lippen: Fahren wir vielleicht nach Brügge? Verdammt! Das hat dir der Teufel gesagt! Rumpelstilzchens Schmach konnte nicht größer sein. Dieses neugierige Weib. Kann die nicht einfach mal mit dem Nachdenken aufhören? Da ich echt schlecht lüge und es daher gar nicht versuche, kommt die Wahrheit exakt 2 Stunden nachdem ich sie zu verschleiern begonnen habe, ans Licht. Ich schwöre, ich habe nicht recherchiert. Einer guten Bekannten erzählt, dass wir Anfang Mai mit dem Rad auf Tour wollen und ich keine Ahnung habe wohin. Und während ich das sage, schießt mir plötzlich Brügge durch den Kopf. Zuhause ziere ich mich ein bisschen nachzufragen, denn eigentlich will ich es nicht wissen und vor allem will ich Christian nicht die Freude verderben. Also frage ich, ob es möglicherweise sein könnte, dass wir nach Brügge fahren. Und dann bin ich einfach nur überwältigt, dass mein vor Monaten geäußerte Wunsch, diese Stadt mal in echt zu sehen, ausreicht, um so belohnt zu werden. Ich hätte mir kein schöneres Ziel für unser erste gemeinsame Radtour vorstellen können.
 

Unterkunft von Außerirdischen? Radaranlage? Olympisches Feuer? Wir haben es nicht herausgefunden

Zurück in die Gegenwart:
Heute ist es also soweit und die finale Etappe steht an. Während ich schon hellwach bin, schläft Tina noch und ich plane noch einmal alles durch. Dann schaue ich beim Bauern vorbei, um ihm vielleicht ein paar frische Eier abzukaufen. Er tut alles, was in seiner Macht steht und klaut sechs Eier ein paar Hennen einfach unterm Hintern weg. Als er mir sie in die Hand drückt, sind sie noch warm und eigentlich viel zu frisch zum essen, wir werden es aber trotzdem tun.
Auf dem Rückweg zum Zelt taumelt mir Tina noch schlaftrunken auf dem Weg zu den Toiletten entgegen und voller Stolz drücke ich ihr meinen gerade erworbenen Schatz in die Hände. Ja… sie wäre theoretisch schon begeistert, müsse aber jetzt dringend aufs Klo. Verstehe. Offensichtlich haben wir gelegentlich andere Prioritäten. Also lasse ich sie ziehen und baue in der Zwischenzeit unsere Küche auf einer Bank auf.
Während das Wasser für Kaffee und Tee dem Siedepunkt entgegenstrebt, kommt ein älterer Herr zu mir und fragt mich nach dem Ziel unserer Reise. Brügge, verkünde ich stolz, wohlwissend, dass es heute soweit sein wird. Wohin er denn unterwegs sei und wie lange er noch Urlaub hat, frage ich ihn. Er zeigt nur auf seine Kleidung und meint, er würde jetzt arbeiten gehen. Und tatsächlich, der ältere Herr macht jedes Jahr 5 Monate Urlaub auf dem Bauernhof und arbeitet als Gegenleistung einfach mit. Ob Bauer und Camper in einem Familienverhältnis zu einander stehen, oder sich dieses Arbeitsverhältnis über jahrelanges Campen entwickelt hat, vermag ich nicht zu sagen. Manche Details scheinen mir zu intim, als dass ich nachfragen möchte. Meine Erfahrung sagt, die Menschen werden es schon erzählen, wenn sie es für erwähnenswert halten. Und ich sage dir, man muss den Menschen die Möglichkeit geben, dass sie reden! Die richtige Frage stellen, ernsthaft interessiert sein, statt zurückhaltend – und schwupps, erzählen sie dir ihre Lebensgeschichte.
Während wir noch beim Frühstück sitzen, zieht sich der Himmel wieder zu. Sehr schade, denn als ich vor zwei Stunden aufgestanden bin, sah alles nach einem perfekten Sommertag aus. Somit unterbrechen wir das Frühstück und verstauen in Windeseile unsere Habseligkeiten, um sie vor einem eventuellen Wolkenbruch zu bewahren. Ganz besonders das Zelt will ich diesmal trocken wissen, da wir uns noch nicht einig sind, ob wir uns in Brügge eine Pension suchen oder doch auf dem Campingplatz landen. Da bin ich mir bereits mit mir einig, dass ich in eine Pension möchte. Warte aber auf den richtigen Moment. Schließlich werden wir Brügge sicherlich nicht für nen kleinen Euro unterkommen. Trotz der Drohkulisse werden wir aber, zumindest für heute Vormittag, verschont und können nach erfolgreicher Packaktion unser Frühstück in Ruhe beenden.

Der beste Apfelsaft meines Lebens – irgendwo in einer winzigen Kneipe, in einem winzigen belgischen Kaff

Zurück in die Gegenwart:
Heute ist es also soweit und die finale Etappe steht an. Während ich schon hellwach bin, schläft Tina noch und ich plane noch einmal alles durch. Dann schaue ich beim Bauern vorbei, um ihm vielleicht ein paar frische Eier abzukaufen. Er tut alles, was in seiner Macht steht und klaut sechs Eier ein paar Hennen einfach unterm Hintern weg. Als er mir sie in die Hand drückt, sind sie noch warm und eigentlich viel zu frisch zum essen, wir werden es aber trotzdem tun. Auf dem Rückweg zum Zelt taumelt mir Tina noch schlaftrunken auf dem Weg zu den Toiletten entgegen und voller Stolz drücke ich ihr meinen gerade erworbenen Schatz in die Hände. Ja… sie wäre theoretisch schon begeistert, müsse aber jetzt dringend aufs Klo. Verstehe. Offensichtlich haben wir gelegentlich andere Prioritäten. Also lasse ich sie ziehen und baue in der Zwischenzeit unsere Küche auf einer Bank auf.
Während das Wasser für Kaffee und Tee dem Siedepunkt entgegenstrebt, kommt ein älterer Herr zu mir und fragt mich nach dem Ziel unserer Reise. Brügge, verkünde ich stolz, wohlwissend, dass es heute soweit sein wird. Wohin er denn unterwegs sei und wie lange er noch Urlaub hat, frage ich ihn. Er zeigt nur auf seine Kleidung und meint, er würde jetzt arbeiten gehen. Und tatsächlich, der ältere Herr macht jedes Jahr 5 Monate Urlaub auf dem Bauernhof und arbeitet als Gegenleistung einfach mit. Ob Bauer und Camper in einem Familienverhältnis zu einander stehen, oder sich dieses Arbeitsverhältnis über jahrelanges Campen entwickelt hat, vermag ich nicht zu sagen. Manche Details scheinen mir zu intim, als dass ich nachfragen möchte. Meine Erfahrung sagt, die Menschen werden es schon erzählen, wenn sie es für erwähnenswert halten. Und ich sage dir, man muss den Menschen die Möglichkeit geben, dass sie reden! Die richtige Frage stellen, ernsthaft interessiert sein, statt zurückhaltend – und schwupps, erzählen sie dir ihre Lebensgeschichte! Während wir noch beim Frühstück sitzen, zieht sich der Himmel wieder zu. Sehr schade, denn als ich vor zwei Stunden aufgestanden bin, sah alles nach einem perfekten Sommertag aus. Somit unterbrechen wir das Frühstück und verstauen in Windeseile unsere Habseligkeiten, um sie vor einem eventuellen Wolkenbruch zu bewahren. Ganz besonders das Zelt will ich diesmal trocken wissen, da wir uns noch nicht einig sind, ob wir uns in Brügge eine Pension suchen oder doch auf dem Campingplatz landen. Da bin ich mir bereits mit mir einig, dass ich in eine Pension möchte. Warte aber auf den richtigen Moment. Schließlich werden wir Brügge sicherlich nicht für nen kleinen Euro unterkommen. Trotz der Drohkulisse werden wir aber, zumindest für heute Vormittag, verschont und können nach erfolgreicher Packaktion unser Frühstück in Ruhe beenden.

Auf dem Weg nach Brügge gehts durch die Pappelkathedrale – vermutlich unsere eindrucksvollste Strecke

Die Tour habe ich heute das erste Mal nur nach den angegebenen Knotenpunkten in der Niederlandenkarte geplant. Das bedeutet, ich kann mir auf der Karte den Ort heraussuchen, den ich ansteuern möchte und schreibe mir nur noch die Zahlen auf, die ich beim Fahren auf den Schildern vorzufinden hoffe. Diese fahren-nach-Zahlen-Strategie hat den Vorteil, dass wir immer abseits der Hauptstraßen radeln können und trotzdem diverse Orte durchqueren. Also eigentlich eine tolle Sache, die sich die Niederländer da ausgedacht haben. Der Nachteil ist, dass sich die Wege dadurch oftmals erheblich verlängern und wir mehr als einmal im Zickzackkurs durchs Land schlängeln, um stark befahrene Straßen zu vermeiden. Für eine entspannte Tour ist das fantastisch, wenn man aber die vom Navigationsgerät ausgerechneten Strecken mit den real gefahrenen Strecken vergleicht, schlägt das gern einmal mit 10 oder 15 Kilometern mehr zu Buche. Die heutige Strecke sollte laut Navi 62 Kilometer betragen, es werden dann aber insgesamt 79. Ach, was solls. Kurven wir eben im Kreis ums eigentliche Ziel… Ist übrigens DER Bringer, wenn’s richtig heiß ist – oder es aus Eimern gießt. Knaller. Hat man nach der Tour alle Sympathien / die Bewunderung / das Mitgefühl aller auf seiner Seite, soviel ist mal sicher. Ich höre schon die wohltuenden Kommentare a la „Ach du Scheiße!“ und „Echt jetz? Boah, ihr Armen.“ und „Also, ich wäre ausgeflippt!“ 

Als sich nach einigen Kilometern auch noch Mary und Robert per sms melden, die uns in einem laut ihrem Navi von uns zu durchquerendem Ort mit uns treffen wollen, muss ich ob des zusätzlichen Umweges leider passen. Es ist zwar erst der zweite Fahrtag nach dem Ruhetag, aber die uns inzwischen verfolgenden abendlichen Regengüsse beginnen mich langsam mürbe zu machen und so möchte ich nach Möglichkeit einen weiteren Zwischenstopp zum Ziel vermeiden. In uns beiden kommt gelegentlich das Gefühl hoch, dass der jeweils andere gar nicht so unbedingt nach Brügge will und wir alle möglichen Vermeidungsstrategien entwickeln, nur um noch ein bisschen langsamer voranzukommen und somit die Tour noch ein bisschen auszudehnen. Für mich ist das natürlich völliger Quatsch und auch meine Tina reagiert auf meine diesbezügliche Bemerkung mit gleicher Heftigkeit. In Wahrheit muss ich zugeben: Das ist hier der letzte Tag der Pflicht. Danach kommt die Kür und bei Dingen die über 100% gehen, bin ich nicht sonderlich gut. Erkenntnis des Tages: Zusammen das erste gemeinsame, große Ziel zu verfolgen, ist wunderbar und aufregend. Gemeinsam kurz vor diesem Ziel zu stehen, verunsichert.Einen weiteren Nachteil hat der heutige Zickzackkurs übrigens auch noch. Wir haben Wind aus Nord-Nord-West. Das bedeutet, dass der Weg nach Brügge, der sich auf direkter Line in Richtung Süd-West befindet uns keine Probleme machen würde. Dieses Zickzack führt uns allerdings abschnittsweise auch gern einmal in Richtung Norden, um uns ein paar Kilometer später dann wieder nach Süden und Westen zu leiten. So kommt es, dass sich langsame und kräftezerrende Passagen mit leichten und entspannenden Abschnitten abwechseln. Klar, den ganzen Tag Gegenwind zu haben ist Mist, aber immer wieder Kraft mobilisieren, dann pausieren und wieder Gas geben, ist für mich noch anstrengender. Es ist ein bisschen wie bergauf und bergab, und am Ende biste dann doch wieder auf der gleichen Höhe. Nix geschafft und trotzdem platt. Gegenwind gehört auch zu den unerfreulichen Zutaten dieser Tour, die in dem Moment echt übel sind. Aber mit ein bisschen Abstand stolz als Hürde gesehen werden, die gemeistert wurde. Ich sage nur, Teuteburger Wald. Dennoch kommen wir heute gut voran und fahren ein Teilstück lang sogar auf einem Deich, der die Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien symbolisiert. Ein Dorf belgisch, ein Dorf niederländisch, die Kuh links ist Belgierin, das Schaf rechts Niederländer und Alles und Jeder, der uns auf dem Weg begegnet, gehört nirgendwo hin. Hier sind selbst wir einige Kilometer lang staatenlose Europäer, ohne wirklich zu spüren, wie frei von Gesetzen und Regeln wir eigentlich gerade sind. Verdammt, hätte ich das bloß in dem Moment realisiert. Ich hätte glatt … ok, vergiss es. Hätte ich sowieso nicht. Einen letzten rein niederländischen Stopp machen wir dann doch noch in einem kleinen Dorf, in dem uns eine uralte Wirtin Apfelsaft und Kaffee verkauft. Was im Übrigen der letzte Laden mit günstigen Preisen dieser Tour sein wird… Nur mal so am Rande, denn gemerkt haben wir das natürlich in diesem Moment auch nicht.

Als im nächsten Ort auf einem Radwegschild das erste Mal Brügge ausgewiesen ist, gibt es kein Zurück mehr. Ab jetzt sind wir endgültig auf der Zielgeraden, und da es erst kurz nach 14 Uhr ist, gibt es auch keinen Grund die letzten 20 Kilometer nicht mehr zu fahren. Ab jetzt geht alles ganz leicht. Noch ein kleiner Spurt entlang einer Hauptstraße und dann biegen wir auf einen Radweg an einem Kanal entlang ab, der uns das letzte Stück erheblich versüßen soll. Eigentlich sind es zwei Kanäle nebeneinander, komplett mit Pappeln bepflanzt. Tina drückt ihre Begeisterung mit den Worten: “Wie in einer Kathedrale!” aus. Mathe ist ein Arschloch und im Abschätzen von Höhen / Distanzen generell bin ich eine Doppelnull. Also, ohne es wirklich zu wissen, möchte ich schwören, dass das die längste Pappelallee der Welt ist. Einfach nur u n f a s s b a r! Was sich in seiner majestätischen Schönheit vor uns in kilometerlanger Pracht zeigt, lässt sich nicht wirklich auf einem Foto bannen. Ich drehe eines der wenigen Videos dieser Reise, in der Hoffnung, dieses Gefühl von Ehrfurcht zu Hause vermitteln und vor allem, mich immer wieder in den Moment hineinversetzen zu können. Eine letzte Kurve und wieder ein wundervolles Stück an einem Kanal lang und schon sind wir in Brügge. Der Weg war genauso toll wie Brügge beim Einfahren unspektakulär ist. In den Vororten weist nichts auf die Schönheit hin, die uns wenig später schier den Atem verschlagen sollte. Immerhin, hier schienen die Menschen deutlich interessiert an uns Reiseradlern zu sein. Denn bereits ein paar Kilometer vorher fuhr ein Rennradfahrer dicht an mich heran und fragte mich nach Herkunft und Ziel, konnte nur ungläubig staunen, dass wir die gesamte Strecke mit dem Rad und dem Zelt gemeistert haben.

In Brügge selbst fragt mich ein junger Mann, woher wir kommen. Ich sage aus Potsdam. Er schaut verständnislos und schüttelt den Kopf. Ich sage, aus Deutschland. Ein verstehendes Lächeln und er fragt eine Reihe von ihm bekannten deutschen Orten ab. Ob wir vielleicht aus Freiburg kommen. – Nein, Potsdam. – Frankfurt vielleicht? – Nein, Potsdam. – Duisburg, Köln, Hannover, Münster, Stuttgart? Nein, Potsdam bei Berlin. – Berlin? Hmm, hat er auch noch nicht gehört.
Nun bin ich dran mit der Sprachlosigkeit. Berlin, das ist die Hauptstadt von Deutschland! Aber es hilft nichts. Sagt ihm nichts. – Hamburg vielleicht? Mir geht die Puste aus. Ich lächle ihn an, und meine, Berlin sei an der Grenze zu Polen. Jetzt schaut er bewundernd. Wir erreichen Brügges äußere Ausläufer, kurz vorm innerstädtischen Ring und schon beginnt das Mittelaltermärchen. Unseren ursprünglichen Plan, per Deppenzepter ein entsprechendes Foto zu machen, haben wir vergessen. Es gibt zuviel zu sehen. Als wir dann endlich im altertümlichen Kern von Brügge ankommen, überfordert mich die Situation schlichtweg. Tausende von Touristen. Ein Café jagt das nächste. Hotels und kleine Läden mit Andenken, Pralinen und sonstigem Gedönst, soweit das Auge reicht. Skulpturen im Rahmen der Triennale. Ich mag es ja persönlich nicht so gern, wenn es irgendwo sehr voll ist und Brügge ist an diesem Nachmittag für mich ziemlich voll, wenn auch noch erträglich. Wir stoppen auf dem Burgplatz und Tina besorgt uns zur Feier des Tages erst einmal eine richtige belgische Waffel mit Obst und Sahne. Ich, die sämtliches Touri-Gehabe immer lautstark abgelehnt hat, kann nicht widerstehen und gehe zu dem mobilen Waffelverkäufer, der mit vier eckigen Waffeleisen gleichzeitig hantiert. Davon ausgehend, dass es höflicher ist, die Bestellung in Englisch aufgeben, bitte ich um etwas ganz besonders. Er verkauft mir eine Waffel mit Erdbeeren und Sahne und ich bestellt eine zweite, für Christian, mit Banane und Schokolade. Macht 14 Euro, die ich ohne zu schlucken bezahle. Und während ich warte, stellt sich der Waffelverkäufer als Sprachgenie heraus. Er plaudert in spanisch, portugiesisch, italienisch, französisch, schwedisch, englisch sowieso und – in deutsch. Als wir später unsere Leckereien aus purer Verzweifelung mit unserem Campingbesteck genießen, versuchen wir hochzurechnen, was der Waffeldealer wohl täglich verdient – uns bleibt die Waffel beinahe im Hals stecken.

 

Gesünder wäre sicherlich ein Zitronenwasser gewesen. Gab’s auf dem Marktplatz in Brügge aber nicht

Plötzlich kommen in mir gemischte Gefühle hoch. Einerseits ist die Tour hiermit geschafft. Wir haben uns ein Ziel gesetzt und dies ohne ernsthafte Schwierigkeiten als Team, als Paar erreicht. Wir haben uns mehr als einmal durchgebissen und Hürden überwunden, von denen wir vorher nichts geahnt haben. Anderseits, was kommt nun? Wie wollen wir diese Erfahrung noch steigern? Denn nach exakt 3 Wochen und 1122 Kilometern ist die Tour hier und heute eigentlich vorbei. Ein emotionales Chaos in mir lässt mich Brügge zum Zwischenziel degradieren. Nein, das ist nicht das Ende der Tour. Amsterdam ist das Ende! Aber – bin nicht ich auch derjenige, der ständig mahnt, dass man eben auch mal begreifen muss, wann genug genug ist? Während wir also die Waffel mümmeln, erkläre ich, dass ich hier in Brügge schlafen möchte, nicht irgendwo auf dem Zeltplatz, fünf Kilometer entfernt. Wir suchen und finden ein „Luxury Hostel“, das mit 84 Euro die Nacht ein echter Schnapper ist. Man kann nämlich locker auch 1300 Euro für eine Nacht bezahlen.
Ich grüble noch ein bisschen, während wir den Weg zu unserem Hostel suchen und als endlich unser allabendlicher Regen einsetzt, beschließe ich: Egal! Jetzt sind wir erst einmal hier. Egal, ob es das Ende der Reise ist oder nicht. Aber es lässt sich nicht verhehlen, ich bin erleichtert und angespannt zu gleich…

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Tag 20 – von Antwerpen nach Kamperhoek



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Tag 20- von Antwerpen nach Kamperhoek

Ja, ja, ich gebe es zu. Ein sonderlich großer Belgien-Fan bin ich nicht. Auch wenn wir hier durchaus die eine oder andere nette Begegnung hatten, die Stimmung ist irgendwie spürbar anders. Irgendwie deutsch eben. Das ging mir damals in Bulgarien schon so und Belgien fühlt sich für mich genauso an. Manchmal ist eben die eigene Stimmung nicht so doll, man ist nicht gerade freundlich oder aufmerksam. Und dann brauchen manche Menschen eben länger, um mit anderen warm zu werden. Gerade ich als Brandenburger kann ein Lied davon singen. (Du – und vor allem der wunderbare, der einzigartige Reinald Grebe. Wenn ich ihn zitieren darf: Es gibt Länder, wo was los is’ – Es gibt Länder, wo richtig was los ist und es gibt Brandenburg).
Aber dann kommt man in ein Land in dem alles viel wärmer zu sein scheint. Die Menschen sind spürbar besser drauf, die Gärten und Häuschen liebevoller und viel offener angelegt. Nichts schreit nach “Meins! Hau ab!” (Im Gegenteil. Jeder Busch, jeder Baum, jede Blume, ja, jede Dachpfanne und jeder Gartenzaun winken fröhlich und einladend: „Huhu! Guten Tag. Schön, dass du da bist. Willkommen. Herzlichst. Fühl dich wohl.“)
Das ist schon ein krasser Gegensatz zu einigen Teilen Deutschlands, in denen sogar Wohnwagen eingebunkert werden. Und dann folgt auf diesen wunderbaren Landstrich mit den tollen Menschen (Niederlande) ein Land, das wie zu Hause ist (Belgien). Wären die Niederländer genau solche Stiesel wie wir oder die Belgier, dann wäre mir das wahrscheinlich auch gar nicht so sehr aufgefallen. Aber so ist das eben, ein Völkchen sticht raus und plötzlich findet man das Gewohnte doof.   (Ich gehe einen Schritt weiter. Unser erster Kontakt mit belgischem Boden verpasst uns einen prompten Stimmungsdämpfer. Während Christian in gewohnter Toleranz bittet, dem kleinen Land – das übrigens auch ein Königspaar hat – eine Chance zu geben, habe ich mein Urteil nach weniger als 20 Minuten in Stein gemeißelt: Belgien ist grau, ungepflegt, wirkt ärmlich, unfreundlich und höchst resignativ.)

Ich würde gern noch mit dem Vorurteil aufräumen, dass es ja klar ist, dass die Niederländer so gut drauf sind, weil die ja ständig bekifft sind (Königsfamilie, mein Herzensmann, KÖNIGSFAMILIE!).Ehrlich gesagt, kann ich das aber gar nicht. Ich habe zwar keinen einzigen Coffee-Shop bewusst wahrgenommen, aber ob die eine oder andere unserer Begegnungen nicht gern mal einen raucht… ich weiß es nicht. Egal wie, wenn es den Deutschen und Belgiern zu einem Freundlichkeitsschub verhelfen würde, dann legalisiert doch endlich das blöde Grass.
Warum erzähle ich das eigentlich? Weil ich morgens bei der Planung noch 113 km bis Brügge ausgerechnet habe. Zuviel für einen Tag, zumal das Wetter nicht wirklich gut aussieht und wir heute Morgen echt lange zum Trocknen und Abbauen benötigen. Bis um 10 Uhr hat es geregnet und als wir dann mit unserem Tagwerk beginnen wollen, ist der Himmel noch immer so wolkenverhangen, dass wir jeden Moment mit einer neuen Dusche rechnen. Die restliche Wäsche muss noch mal in den Trockner – aber wir haben keine 50 Cent-Stücke mehr. (Einsatz für Miss Pragmatismus. Am Vorabend habe ich eine elegante blonde Dame Anfang 60 gesehen, die mit verkniffenem Gesichtsausdruck zwei Weinflaschen in den Container warf. Blöderweise ist sie am heutige Vormittag die einzige, die vor Wohnwagen mit Überdacht sitzt. Also marschiere ich mit dem Euro zu ihr und ihrem nach Erfolg und Arroganz aussehenden Mann und eröffne meine Charmeoffensive mit den Worten: „Would you please save my life?“ Ich höre schon meinen besten Freund sagen: Geht’s nicht ne Nummer kleiner? Nö. Geht’s nicht. Passt perfekt. Denn als ich mit Dackelblick die flache Hand ausstrecke, in der das ein-Euro-Stück blinkt und erkläre, mein Mann und ich seien mit dem Rad unterwegs, durch den Regen aber alle Klamotten nass und wir würden die gerne in den Trockner werfen, damit wir uns in dem nassen Zeugs nicht den Tod holen, weil wir ja schließlich noch bis nach Brügge wollen (puh. Einmal Luft holen), tja, also da fordert sie ihn auf, nach zwei fünfzig Cent Stücken zu gucken. Sie selber lächelt freundlich und dabei ungläubig. „By bike?“, hakt sie nach und ich nicke bescheiden. Sehr beeindruckt von diesem Ziel gibt sie mir den Rat, unbedingt noch Gent anzuschauen, eine ganz wundervolle Stadt. Und will wissen, was ich denn von Antwerpen halte? Ihr Mann ist in seiner Hosentasche (natürlich – Kerle wie er schleppen immer jede Menge Kleingeld in der Hosentasche mit sich rum.) fündig geworden und wir tauschen eins zu zwei. Ich halte mich bedeckt, was Antwerpen angeht, meine brachiale Offenheit könnte möglicherweise missverstanden werden. Die beiden sehen sich jetzt verliebt an und er sagt, dass sie seit 40 Jahren jedes Jahr für zwei Wochen hier auf dem Campingplatz sind. Antwerpen sei eine so fantastische Stadt. Aha. Ist uns bislang entgangen. Und plötzlich werfen sich die beiden so was wie einen verliebten Blick zu als er sagt, sie würden Antwerpen besser als Amsterdam kennen und sie dazu nachdrücklich nickt, da denke ich, wie reizend die beiden doch eigentlich sind. Sie wünschen eine erfolgreiche Fahrt, wiederholen, wie einmalig schön und dabei unterschätzt Gent ist und dann stolziere ich mit der lebensrettenden Beute zurück zu unserem Zelt. Wenn ich könnte, würde ich Wagners Walkürenritt pfeifen und dabei die zwei 50er fahnengleich schwenken. So drücke ich sie meinem Herrn der Wäsche bloß mit einem lässigen „erledigt“ in die Hand und stelle betont nebenbei die Frage, wie groß der Umweg über Gent eigentlich wäre.) Und so kommt es, dass wir erst gegen 13:00 Uhr starten können und somit meines Wissens wieder einmal einen Rekord aufgestellt haben.

Die Route wird jetzt also über Gent gehen und da wir beide keine wirkliche Lust auf belgische Dörfer haben, wähle ich die Route entlang einer stark befahrenen Hauptstraße. Einer zu stark befahren… Als wir in der kleinen Stadt Belveren unsere erste Pause machen, stellen wir fest, dass uns das beiden keine wirkliche Freude bereitet. (Und das liegt nicht an dem plötzlich hohen Polizeiaufkommen. Wir stehen an einem Kreisel, als uns drei VW-Busse versetzt und in unterschiedliche Richtung kurvend auffallen. Allerdings ohne Blaulicht. Während wir noch überlegen, ob wir eigentlich wirklich nach Gent müssen, hält einer der Busse, ein glatzköpfiger Polizist mit graumeliertem Hipsterbart lehnt sich aus dem Fenster und fragt auf belgisch oder flämisch oder was auch immer, ob wir zwei zu Fuß flüchtende Männer gesehen hätten. Einer trage ein Baseballcap. Ich schüttelte mit einem angemessen bedauernden Gesichtsausdruck den Kopf, setze ich „Sorry“ hinzu, ernte dafür ein freundlich-resigniertes „Danke“ und der Bulli verschwindet im Kreisverkehr. Ich ernte einen bewundernden Blick von Christian, der nachfragt, was den Gesetzeshüter den eigentlich gefragt hat und ich gebe mich verwundert, dass er die Frage nicht verstanden hat. Schrei du mal über Jahre Krimis, dann weißt du, was die Polizei dich fragt, wenn sie offensichtlich jemanden sucht. Es ist IMMER irgendwer auf der Flucht.) Wir entscheiden uns ohne Diskussion gegen Gent, bzw. gegen Belgien. Also planen wir kurzerhand um und unter Inkaufnahme eines zusätzlichen Tages bis Brügge entscheiden wir uns für eine Weiterfahrt über Niederlande. Der Vorteil dabei ist, dass die Campingplatzdichte in Belgien eher gering ist und wir in Holland sicher eine passende und preiswerte Unterkunft finden.
Trotzdem geht es noch eine Zeitlang erneut durch trostlose belgische Dörfer und über triste, schlecht gepflasterte Nebenstraßen, die uns aber nicht mehr so schlimm wie an unserem ersten Belgientag vorkommen. Denn – die bunten, freundlichen Niederlande winken. Immerhin gibt es auf diesem Abschnitt keinen Kanal, den die Belgier nach Lust und Laune mit Industriebauten zugepflastert haben. Eine letzte Versorgung mit Lebensmitteln und dann geht es wieder über die Grenze. Diesmal sogar mit einem von mir gewünschten Schlagbaum.

Ob wir uns das nun einreden oder nicht, die Stimmung wird dann auch gleich wieder schlagbaumartig besser und auch meine neuen Karten kommen nun zum ersten richtigen Einsatz. Ich kann jetzt endlich nach Knotenpunkten planen und um unser Ziel, einen auf der Karte ausgewiesenen Campingplatz zu erreichen, geht es wieder durch schöne Landschaft, deren städtischer Höhepunkt die Stadt Hulst ist. Sie ist, trotz auf dem flachen Land errichtet, komplett von Wasser umgeben. Wir stoppen in der Innenstadt an einer Sitzbank (In unmittelbarer Nähe einer Kirche, zu unserer rechten ein seltsames Kunstwerk, bestehend auf Enten oder Gänsen aus Bronze), und grübeln bei Brötchen mit Aufschnitt mal wieder über die Unterscheide der Niederländer zu den Belgiern, als uns ein Bataillon sehr alter Damen von unserem Platz vertreibt. Darunter auch drei Nonnen, die alle so gebrechlich sind, dass sie in Rollstühlen sitzen. Selten habe ich mich so deplatziert gefühlt wie in diesem Moment. Tina witzelt, hier sind gerade locker 2000 Jahre versammelt. Was der Grund für diese Ansammlung war, wissen wir bis heute nicht. Denn diese Gruppe ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass wir nicht einmal eine Chance haben nachzufragen. (Die Wahrheit ist eine andere: Wir trauen uns nicht. Ich bin fasziniert von der sanften Heiterkeit der uralten Frauen. Besonders eine sehr zierliche Dame mit schlohweißem Haar, in weißer Bluse und wadenlangem Rock, deren Rücken so gekrümmt ist, dass sie mit beinahe waagerechtem Oberkörper in kleinen Schritten gehen muss, berührt mich. Trotz ihres vermutlich biblischen Alters und ihrer offensichtlichen Gebrechen, von denen ich nur ahnen kann, wie schmerzhaft sie sein müssen, wirkt sie fröhlich und gelassen. Und während sie sich mit einer Hand an der Lehne der Bank abstützt und mit der anderen das Gesangsbuch oder eine Bibel festhält, scheint sie einen Scherz mit den zwei unwesentlich jüngeren Damen auf der Bank zu machen. Es ist ein leises Schnattern und plötzlich wird mir bewusst: Auch diese Damen waren alle mal junge Mädchen. Vielleicht sind sie zusammen zur Schule gegangen… Ich bedauere meinen fehlenden Mut, die Damen anzusprechen, in ein Gespräch zu verwickeln. Dagegen beschleichen Christian komische Fluchtgedanken, ihm ist das zu viel naher Tod auf einem Haufen. Er will nur weg.

So packen wir also zusammen und steuern unser neues Tagesziel, die Natuurkampeerterreinin Kamperhoek an. Ein letzter Einkauf in Vogelwaarde wird uns durch einen wahnsinnig gut gelaunten Mitarbeiter versüßt, der während unser gesamten Verweilzeit fröhlich ein Lied nach dem anderen im Radio mitpfeift.
Als wir dann endlich um 18.30 Uhr auf unserem Ziel ankommen, erwartete uns ein absolut fantastischer Campingplatz, der auf einem aktiven Bauernhof errichtet ist. Hier wird gleichzeitig Bio-Landwirtschaft und Beherbergung praktiziert, die ganz offensichtlich auf Familien oder ganze Schulklassen ausgerichtet ist. In 12 großen Zelten mit Luxusausstattung können bis zu 8 Personen schlafen und leben. Zusätzlich gibt es Hütten und eine liebevoll angelegte Zeltwiese. Da kann uns auch der inzwischen treue abendliche Regenschauer nicht die Freude verhageln. (Ich bin begeistert von dem Konzept, das u.a. vorsieht, dass Kinder für die Dauer ihres Aufenthaltes die Verantwortung für eines der zahmen Hasen übernehmen können. Vor jedem der Zelt steht nämlich ein mobiler Hasenkäfig.)
Die Distanz zu Brügge hat sich heute durch den Bogen über die Niederlande wieder ein bisschen erhöht, statt verringert. Aber es ist trotzdem ein toller Abschluss und keiner von uns ist unglücklich darüber, Belgien für einen Tag den Rücken gekehrt zu haben. Morgen werden wir allerdings nicht mehr drum herumkommen.

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Tag 17 – von Arcen nach Keersop



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Tag 17- von Arcen nach keerson

Gut gelaunt geht es nach dem gestrigen Ruhetag wieder auf die Straße. Nachdem ich ja die offizielle Morgenfütterung vom Vortag verschlafen habe, bin ich begeistert von dem mehr als reichhaltigen und liebevoll arrangierten Frans-Frühstück. Neben dem Glas O-Saft und frischen Erdbeeren, Joghurt, gekochtem Ei, Wurst-, Käseteller und Tomaten-Gurken-Teller gibt es für jeden vier Brötchen und zwei Crossiants!! Liebe B&B’s / Pensionen in Deutschland: SO geht Service. Und Frans hat uns auch noch großzügige Streifen Alu-Folie und einen Brotbeutel hingelegt mit der Bemerkung, wir sollen uns Brötchen für die Tour schmieren. Ach, Frans, du gute Seele. Als ob du geahnt hast, dass diese Käsestullen am späteren Nachmittag quasi unsere Beziehung retten werden. Wer noch definitiv zu erwähnen ist: Das Pärchen neben uns am Frühstückstisch, das sich mit den Worten vorstellt, gemeinsam 140 Jahre alt zu sein. Sie sehen keinen Tag älter als 125 gemeinsame Jahre aus. Sehnsüchtig schiele ich zu ihrem Brötchenkorb, denn sie haben zwei von den dunklen, rustikalen Baguette-Brötchen, wir leider keines. Der winzige Fressneid hält die komplette Futterstunde und wäre auch am Ende belohnt worden, wenn ich mich letztlich nicht zu sehr geschämt hätte, das angebotene Baguette zu nehmen. Weil, ich habe nämlich vorher unseren fast unberührten Wurstteller rübergereicht. Und damit eine freundliche Gegengeste quasi provoziert. Was soll’s. So ein bisschen Verzicht üben kann eigentlich nicht schaden. Die beiden Niederländer jedenfalls tauen sehr schnell auf. Die männlichen 70 Jahre sprechen sehr gut Deutsch – hat er in den 1960er Jahren als Pfleger bei seinem einjährigen Berlinaufenthalt gelernt. Als die Mauer gebaut wurde, musste er zurück in die Niederlande und wiederholt einige Male in leichtem Singsang, er habe noch einen Koffer in Berlin. Wir vermuten, dass er seinen Traum, nochmal nach Berlin zu fahren, in diesem Leben nicht mehr realisieren wird. Einfach weil er lieber regelmäßig zu Frans fährt. Was wir durchaus verstehen, denn Arcen ist ein reizendes Städtchen (Frans sagt, es sei Dorf). Während er erzählt, fallen ihm immer mehr deutsche Worte ein, was ihn offensichtlich entzückt. Nachsichtig, dabei durchaus sehr liebevoll wird er von seiner Frau belächelt, die sich aus dem Gespräch weitgehend zurückhält. Nicht etwa, weil sie weniger gut deutsch spricht, sondern weil sie mit großem Genuss auch noch größerer Langsamkeit ein drittes Milchbrötchen mit Butter und Marmelade kaut. Herrgottnochmal, sind die Beiden reizend. Sie bewundern unsere bisherige Fahrleistung und weiteren Pläne mit mehr als großen Augen und noch größerem Respekt. Und wünschen uns zum Abschied eine gute und sichere Fahrt. 

Schön per Fähre über die Maas. Es ist heiß, es duftet nach Rosen und die heutige Route ist nur grob klar.

Frans zu begegnen war einer dieser wunderbaren Zufälle, die es ja genau genommen nicht gibt. Wir empfehlen JEDEM sich wenigsten für eine Nacht im Café B&B Rayer Catering, Diner en Meer, Kerkstraat 2Qa Am Arcen einzuquartieren. Wir holen uns bei Frans noch ein paar Tipps für die Niederlande ab und starten die Strecke mit unserer ersten Fährfahrt über die Maas. Eine kleine elektrische, nur von Solarzellen angetriebenen Fähre, transportiert lediglich Radler, oder, wie sie in den Niederlanden heißen, Fietsen und Fußgänger. Heute ist Sonntag und die Niederlande sind geschlossen auf irgendwelchen Zweirädern unterwegs. Sind es keine Fahrräder (Fietsen), sind es eben Motorräder (Bromfietsen) oder irgendwas dazwischen. Auf jeden Fall sind es Tausende, denen wir heute begegnen und das Wetter lädt auch dazu ein.

Keine fünf Minuten per Elektrofähre dauert es, die Maas zu überqueren. Kosten pro Person: 1 Euro

Unsere erste Etappe führt uns nach Horst. Ich habe noch keine Karte für die Niederlande und nur mit dem Navi wird das ein schwieriges Unterfangen. Die Radwege sind hier nur selten mit Stadtnamen bezeichnet, sondern tragen nicht ganz nachvollziehbare Nummern. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis ich das System der Knotenpunkte durchschaue und mich vor allem damit anfreunde. Aber auch wenn Supermärkte am Sonntag geöffnet haben, einen offenen Buchladen haben wir nicht gefunden, um eine Radkarte unserer holländischen Freunde zu erwerben. Uns fällt aber auf: In den Niederlanden sind die meisten Lebensmittel teurer als in Deutschland. Auch Benzin und Tabak –  ICH bin ja seit sechs Kilo Nicht-Raucher. Mir also wampe .. äh, wumpe – kosten hier mehr als bei uns und umso mehr verwundert mich die Tatsache, dass die Niederländer durch die Bank weg sehr freundlich und aufgeschlossen sind. Liegt es am Radfahren oder an den wenigen Bergen? Die rauchen einfach weniger. Egal, es ist so und es ist gut so, denn wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl und herzlich aufgenommen. Die Orangjes sind ein zutiefst fröhliches Volk – weil sie mit Maxima und Willem Alexander und den drei Töchtern, die alle mit A heißen, eine fröhliche Königsfamilie haben.

Sonntags in der Fußgängerzone von Horst: An jeder Ecke gibt es Eis, aber keine Fahrradkarten.

Trotzdem kommt es im Laufe des Tages zu einem meiner berüchtigten Frustanfälle, denn wer sich hier nicht elektrisch oder mit Körperkraft fortbewegt, tut es scheinbar mit dem Motorrad. Ich muss mich erst einmal daran gewöhnen, dass Mopeds und Mofas auf niederländischen Straßen nichts zu suchen haben und wir uns die heute ohnehin überfüllten Radwege oft mit ihnen teilen müssen.
Machen wir uns mal nichts vor, mein Schatz. Du wirst garantiert bis zum letzten Tag der Tour Schimpf und Mordio zetern, wetten?
Mir persönlich sind diese Gefährte zu laut. Das schnelle Hochdrehen der Motoren und der brubbelige Sound mögen Mitsechziger ja toll finden, mich hingegen nervt es zunehmend und so kommt es wie es kommen muss: Ich werde mal wieder launisch.
Ich wusste nicht, dass ein Gebrülltes “warum?” genauso agro klingen kann wie “Verfluchte Scheisse”. Tina stoppt daraufhin unsere Karawane und füttert mich erst einmal mit Frans-Stullen, die auch sofort Wunder wirken. Offensichtlich werde ich mit zunehmendem Hunger echt unausstehlich.
Ach, was? Es liegt gar nicht an den Bromfietsen?
Aber wer weiß schon, wozu dieses beidseitige Wissen in unserem Beziehungsleben noch gut ist. Meine Stimmung ist schnell wiederhergestellt und so kann auch ich mich auch endlich an den schönen niederländischen Orten erfreuen, so wie Tina es schon den ganzen Tag tut. Ja, zugegeben, diese Niederlande scheinen, zumindest nach dem ersten Fahrtag, durch und durch lebens- und liebenswert zu sein.
Und dann waren da noch diese beiden Animalfarms. Also eigentlich ganz traurig, wenn man es genau betrachtet. Aber oberflächlich besehen ist es hinreißend, die ewig lang bewimperten Augen der Rehe zu sehen und noch hinreißender finde ich die frisch von ihrem kuschelweichen Fell befreiten Alpackas, die mit ihren langen Hälsen und ebenfalls lang bewimperten Kugelaugen verzückte Seufzer in mir auslösen. Übrigens, sowohl die Bambis als auch die Alpaccas trafen wir direkt vor America. Und ich verzichte jetzt auf den Kalauer, der einem eigentlich auf der Zunge liegt, sondern protze mit Christians Wissen, das er von Frans hat: America bedeutet auf Holländisch oder Flämisch oder Mittelhochdeutsch “An der Heide”. Die Botaniker unter uns wissen, dass Heide auch Erika heißt.

Latent hysterisch und dabei sooooo entzückend: Familie Alpacka, kurz vor America

Heute machen wir mehr Pause, als dass wir fahren, und so kommen wir auch erst sehr spät an unserem Campinplatz an. Ich mag unser trödeliges, entspanntes fahren, obwohl ich von Harrys und Meghans Hochzeit quasi nichts mitbekommen habe. Offensichtlich bin ich trotz der körperlichen Anstrengung ziemlich gleichgültig was internationalen Glamour-Gossip angeht. Wir reden hier immerhin von DER Adelshochzeit des Jahres. Sogar die Beckhams waren da, Elton John sowieso, und George und Amal Clooney – das immerhin habe ich mitbekommen. Hab schon dem Harry seine Mutti Diana damals beim Ja-Wort aufs Kleid geschielt.
Wir bauen das Zelt auf, lassen noch schnell einen kräftigen Regenschauer über uns ergehen und gehen zur Feier des heutigen, wirklich schönen Tages noch richtig lecker essen. Ähm… Sind wir nicht eigentlich essen gegangen, weil es zu nass war, um sich zum kochen irgendwo hinzusetzen? Und “lecker” finde ich auch ein großes Wort für einen durchschnittlichen Salat und einen frittierten Bürger an Pommes.

Yes, we did!

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Tag 13 – Haltern am See nach Wesel



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Tag 13- von Haltern am See nach Wesel

Heute morgen stellen wir beim Abbauen mal wieder einen neuen Rekord auf. Keine 45 Minuten nach dem Aufstehen ist die Morgentoilette erledigt und sind alle Taschen auf den Rädern verstaut. Dennoch will keine so rechte Heiterkeit aufkommen. Tinas Treffen mit ihrer Freundin sind einfach zu selten, und die Gewissheit, einen wunderbaren Menschen so schnell wieder verlassen zu müssen, betrübt auch mich. Gern hätte ich mehr gemeinsame Zeit gehabt, und Tinas Freundin hätte uns sicher auch noch mehr ihrer Zeit geschenkt, aber der Preis für sie wäre hoch gewesen und wir haben ja schließlich ein Ziel: Brügge. Mir wird vor allem bewusst, wir haben zwar viel Zeit, aber eben auch keine Unbegrenzte. Irgendwann werden wir wieder ins normale Leben zurückmüssen und trotz der Freude, die mir diese Tour bereitet, ich freue mich auch auf die vor mir liegende Zeit sehr.

Den Bielefelder Dauercamper verschlägt es jährlich hierher – die Schwiegerfamilie wird besucht.

Im Moment quälen mich aber noch andere Probleme. Mein Morgenkaffee hat unser letztes Gas fast völlig aufgebraucht. Zum Glück hat uns unser Bielefelder Nachbar gestern bereits eine ungefähre Wegbeschreibung zu einem örtlichen Outdoorausstatter gegeben, den wir als erstes aufsuchen wollen.
Da wir bereits um sagenhafte drei Minuten nach neun von unserem echt charmanten Campingplatz rollen, und sowieso durch Haltern Am See fahren müssen, um ins Industriegelände zum Ausstatter zu kommen, bestehe ich darauf, noch einen kurzen Abstecher bei meiner Freundin, die direkt in der Innenstadt wohnt, zu machen. Eine völlig idiotische und dennoch absolut richtige Entscheidung. Idiotisch, weil meine Freundin vermutlich bis tief in die Nacht gearbeitet hat und wir sie um 9.30 Uhr aus dem Bett klingeln. Absolut richtig, weil ich sie so unendlich mag und vermisse und ich sie einfach noch mal drücken wollte. Sie hat nicht mit uns gerechnet, und wir sprechen auch keine drei Minuten miteinander. Dann schließt sie wieder ihre Wohnungstür. Mich hat dieser kurze Moment sehr bewegt und den ganzen weiteren Tag überlege ich, ob wir nicht einen Tag hätten dranhängen sollen. Dann stehen wir vor dem Outddoorladen und es geschieht, worauf wir uns schon seit Beginn der Tour moralisch vorbereitet haben: Es regnet das erste Mal auf unsere vollgepackten Räder. Oh ja, wir können auch in hektisch. Kramen Regenhose, Regenjacke aus den Tiefen der Taschen. Ich stelle zwei wenig witzige Dinge fest: Ich habe den Wasserschutz für meine Lenkertasche vergessen und in der Regenhose sehe ich nicht nur aus wie eine schwarze Presswurst – und fühle mich auch so. Hilft übrigens ungemein, die angeschlagene Laune zu verbessern. Zum Glück regnet es nicht lange und nicht sehr intensiv, aber es reicht, um das erste Mal wirklich nass zu werden. Beim anschließenden Frühstück bei einem Bäcker eines Supermarktes lassen wir uns dann auch sehr viel Zeit. Keiner von uns ist heute morgen in allerbester Stimmung. Bei Tee, Kaffee, belegten Brötchen und einem steinhart gekochten Ei schauen wir dem Filialleiter bei einem Vorstellungsgespräch zu, das dieser wegen der drückenden Schwüle offensichtlich nicht in seinem Büro führen möchte. Ich vermute aber: Wahrscheinlich hat er bloß nicht aufgeräumt.

Soweit das Auge reicht: Kein Auto, kein Trecker – nur wir.

Als wir uns dann doch endlich aufraffen können, kommen wir trotz des guten Rückenwindes nicht so richtig in Schwung. Statt zu radeln, schleichen wir die ersten Kilometer durch die Gegend. Lustlos, antriebslos, scheinbar sogar ziellos. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob tatsächlich unsere Stimmung die Landschaft so trostlos erscheinen lässt. Ich stürze mich mit Kamera auf ein paar Mohn- und Kornblumen, damit wenigstens ein bisschen Farbe in den Tag kommt.Aber so richtig cool ist die durchfahrende Gegend dann doch auch wieder einmal nicht. So beschließe ich dann auch, nachdem wir so fast schöne Orte wie Dorsten und Datteln durchfahren müssen, auf der Hälfte der heutigen Strecke dem Navi die Führung zu entreißen. In einem Anflug von Schönheitsbedürfnis entscheide ich mich für eine Weiterfahrt am Weser-Datteln-Kanal, der laut Auskunft eines Pärchens (das ausgerechnet unsere Mittagspausenbank okkupiert – übrigens die einzige Bank weit und breit!) bis nach Wesel führen soll. Eine klare Fehlentscheidung, wie sich herausstellen wird. Weil, schöner wird es hier auch nicht und statt direkt von hinten, kommt der Wind hier zumindest so schräg, dass er unserer Weiterfahrt ein wenig ausbremst. Wie öde kann eine Fahrt entlang von Wasser und Wiesen eigentlich sein? Alter Holländer, so eine ätzende Strecke. Und nur, um es auch einmal gesagt zu haben: Nicht eine einzige verdammte Bank. Wir versuchen trotzdem weiterhin eine passende Sitzgelegenheit für unsere Mittagspause zu finden und ich vertröste Tina im Minutentakt auf die nächste Brücke, Kurve, Schleuse. Aber nix da. Der verdammte Kanal bietet kein ruhiges Plätzchen, um die neue Gaskartusche auszuprobieren und die vom Frühstück übrig gebliebenen Brötchen aufzufuttern. Irgendwann lässt sich Tina aber nicht mehr länger hinhalten und bestimmt eine Rast, so dass wir völlig ausgelaugt auf der Treppe einer extrem lauten Behelfsbrücke unsere letzten Vorräte vernichten. Wahrscheinlich existiert diese Behelfsbrücke auch schon seit über 40 Jahren und die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass es ständig kracht und scheppert, als würde das Metall jeden Moment bersten. Himmel, was sind wir lärmempfindlich dieser Tage. Aber auch nicht lärmempfindlich genug, um unsere Rast abzubrechen. Ach, seien wir doch mal ehrlich: Ist man scheiße drauf, dann gibt es doch nichts Besseres als irgendetwas, über das man sich nach Herzenslust aufregen kann. Oder? So lecker des Essens auch ist, unsere Motivation hält sich auch nach 18 Kilometern am Kanal entlang weiterhin in Grenzen und ich übergebe dem Navi wieder die Führung. Immerhin kann ich es heute wenigstens verstehen und so verlassen wir den Kanal gerade rechtzeitig, bevor die Lippe in ihn und er in den Rhein führt.
Spätestens jetzt ist klar, an der Stimmung liegt die Scheißgegend nicht. Sollte hier jemand lesen, der zufällig aus Wesel kommt –  mein herzliches Beileid. Meine Güte, ist das eine hässliche Ecke. Trostlos, grau, abweisend, laut, chaotisch, wenn ich das hinzufügen darf. Wobei es “hässliche Ecke” absolut auf den Punkt bringt. Und diese Abneigung beruht scheinbar auch auf Gegenseitigkeit. Denn kaum sind wir vom Kanal auf den offiziellen Radweg abgebogen, versucht auch schon ein Angestellter der Hafenspedition mich mit seinem 40-Tonner zu überrollen. LKWS und Radfahrer – immer eine sehr brisante Mischung. Ich brülle unanständige Worte in schneller Reihenfolge. Was natürlich weder der LKW-Fahrer noch sonst jemand in seiner Blechbüchse hört. Das Blöde bei einem vollbepackten Rad: Die beidhändige Mittelfingerzeigung gelingt mir nicht, ohne mich in Lebensgefahr zu bringen. Also verzichte ich laut fluchend. Nach dem Schreck lade ich Tina erst einmal zum leckeren Eis mit Erdbeeren ein, das zwar wirklich lecker, aber mit 18 € für zwei Portionen völlig übertrieben teuer ist. Wolltest du an dieser Stelle nicht so richtig auf den Putz hauen?! Gut, dann übernehme ich kurz und knackig: Es handelt sich um jeweils EINE Kugel Eis und jeder bekommt ZWEI in Scheiben geschnittene Erdbeeren, die sehr gekonnt mit Schokofäden überzogen und mit einem Pfefferminzblättchen dekoriert sind. Köstlich, in der Tat. Aber bin ich hier bei Königs, wo man Winzportionen auf riesigen Tellern anrichtet, einfach weils schick ist?! Christian zahlt insgesamt 25 Euro und ich bin kurz davor zu platzen. Und zwar nicht wegen Völlerei, das dürfte klar sein. Dieser Tag hat blöd begonnen und scheint sich auch so von uns verabschieden zu wollen.

Leider haben wir kein Liebesschloss auf Tasche, um herauszufinden was passiert, wenn wir es tun…

In Wesel ist es nämlich wieder so laut, dass ich alle 100 Meter das Navi rauskramen muss, um mich des Weges zu versichern. So dauern die letzten Kilometer bis zum Campingplatz dann auch noch einmal eine geschlagene Stunde. Gegenwind noch und nöcher. Wir fahren auf einem künstlich aufgeschütteten Deich, rechts und links Schafe, vereinzelt auch andere Radler, aber Spaß macht die Fahrt nicht. Wenn der Tag bislang makaber war, jetzt kommt das Sahnehäubchen. Der Platz ist zwar sensationell günstig. Aber, da er auf einer Rheininsel liegt, auch sensationell windig. An dieser Stelle sei hinzugefügt, wir sprechen hier von der Grav-Insel. Im Jahr 1969 von einem Visionär ins Leben gerufen und innerhalb der vergangenen 49 Jahre zu dem gemacht, was er jetzt ist. Allerdings wissen wir das bei der Ankunft noch nicht, und da wir jetzt dringend einen Ruhetag brauchen, buchen wir auch gleich zwei Tage. Ich übernehme die sich etwas hinziehenden Formalien mit Bernd, den Herrn über die Platzverteilung. Bernd ist genau aus dem Holz geschnitzt, wie ich Menschen in solchen Positionen mag: Ein bisschen kodderig, ein bisschen rau, ein bisschen ironisch und dabei absolut liebenswert. Typ raue Schale, weicher Kerl. Bernd lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen, spricht gleichzeitig mit drei unterschiedlichen Menschen, die einen Platz buchen möchten, bedient nebenbei die Schranke, telefoniert mit einem Anrufer und funkt einen Kollegen an, der den Campern ihren Platz per Elektrowägelchen zeigt. Und als ich ihn später anpflaume, dass WLAN ja wohl ein Grundbedürfnis, ja, ein Grundrecht ist, und dass 3 Euro pro 24 Stunden eine Frechheit sind, will er mir am liebsten die Zugangsdaten schenken. Gesteht er wenig später im Waschraum und entschuldigt sich quasi, dass er es nicht tun konnte, weil da noch ein Kunde war. Ach, Bernd, du Goldjunge. 

Was uns hier erwartet, schlägt unserem fassrunden Verständnis von Camping endgültig den Boden aus. Denn Wesel rühmt sich als der größte Campingplatz Deutschlands mit über 2000 Parzellen – Dauercamper wohlgemerkt. Die paar Tagesgäste fallen da nicht wirklich ins Gewicht und sind wahrscheinlich nur deswegen da, um sich den Status Campingplatz nicht zu versauen. Da wundert es uns auch fast gar nicht mehr, dass hier ein absoluter Discountplatz entstanden ist. Ein riesiges Gebäude im Zentrum des Platzes bietet alles was das Camperherz begehrt. Supermarkt, großzügige Wasch- und Duschmöglichkeiten, Restaurants.  Und vor den sanitären Anlange – festhalten, Leute – gibt’s buntes, blinkendes Jahrmarktfeeling. Zu den Hits der 80er Jahre kann man an diversen Automaten sein Geld vernichten. Per Greifarm ein neues Handy oder ein Kuscheltier versuchen zu ergattern. Und Mutti sitzt auf Wohnzimmerartigen Stoffbänken und schaut zu. Unglaublich. Ein freundlicher Mensch mit dunklen Knopfaugen und indianischen Zügen zeigt uns freundlich, wo wir unsere Wäsche waschen können. Micha arbeitet hier seit sechs Jahren, wohnt seit drei Jahren sogar hier und mag seinen Job. Und dann stehen wir vor den Waschmaschinen und erfahren von Micha und Bernd, dass es ein 3-Schicht-System an der Pforte gibt, dass Dreiviertel der Camper einen Dauerplatz haben… Irgendwie kommt hier eher das Gefühl eines Freizeitparks auf, statt dem einer ruhigen Unterkunft im Grünen. Wieder ein gelungenes Beispiel für unser Projekt, Deutschland, wie du campst. Und weil es zu windig ist, um unseren Gaskocher anzuwerfen, gönnen wir uns spontan und eine halbe Stunde vor Schluss noch das Mittelmeer-Buffet für 10 Euro pro Person. Essen mehr, als uns guttut. Der Wein schmeckt nicht, das Gyros ist kalt, genau wie die Pommes, aber das mediterrane Gemüse mit dem Tsatsiki ist lecker. Ein Gedanke blitzt auf, den ich nicht zulassen möchte, der aber noch in dieser Nacht zu einem Entschluss wächst.

Wer zuviel Kleingeld übrig hat, füttere doch die Spielautomaten vor den Duschen und Toiletten.

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Tag 11 – von Bad Rothenfelde nach Senden



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Tag 10- von Bad Rothenfelde nach Senden

Oh ja, so kann es gern weiterlaufen. Heute passt einfach Alles!
Die Stimmung ist gut, das Fass schnell geräumt und da das Zelt noch Zeit zum trocknen benötigt, können wir ganz in Ruhe trödeln und kommen so zwar erst um 11:30 Uhr vom Platz, dafür aber sehr entspannt.
Der nächste Supermarkt ist schnell gefunden und so versorgen wir uns erst einmal mit Frühstück und dem notwendigen Reiseproviant. Aus Tinas Packtaschen bauen wir uns einen Frühstücksraum direkt auf dem Parkplatz der Freiwilligen Feuerwehr von Bad Rothenfelde, die gestern während des Unwetters wahrscheinlich im Dauereinsatz war. Und weil heute hier alles so ruhig ist, philosophieren wir ein bisschen über das architektonisch wirklich schöne Gebäude.  Grauer Backstein mit dezenten roten Elementen, d.h., pro Fensterrahmen eine rote Leiste. Irgendwie fast schick.

Der heutige Fahrtag steht gerade noch überhaupt nicht fest. Wir haben zwar ein Zwischenziel, nämlich Haltern am See, das ist aber insgesamt nur 95 Kilometer entfernt. Also steht die Frage im Raum, heute kurze Etappe, dafür morgen eine längere, oder heute lang und morgen kurz?

Im Kranencamp können wir das alles alleine nutzen, denn die anderen Reisenden haben Wohnmobile

Ein Campingplatz liegt vor dem Ort Senden und einer dahinter. Wir knobeln, kommen aber auf Grund des Unwissens über unsere Fitness zu keinem eindeutigen Ergebnis. Da beide Plätze fast direkt auf der Strecke liegen, entscheiden wir später zu entscheiden. Klingt sinnvoll. Alter Schwede, sind wir flexibel.
Ich hoffe, ich liege richtig mit meiner Ortsbezeichnung, denn wo das Münsterland anfängt, aufhört und mittendrin ist, scheint keiner so genau zu wissen. Wir schon gar nicht. Jedenfalls hat uns das Münsterland lieb und unser treuer Begleiter, der Rückenwind, ebenso. Es läuft alles wie am Schnürchen. Kleine, idyllische Ortschaften wechseln sich ab mit kleinen, idyllischen Wäldern, mit kleinen, idyllischen Äckern, mit kleinen, idyllischen Bächen… ach, nach dem Ruhetag ist irgendwie alles idyllisch und so überfahren wir die Grenze nach Nordrhein-Westfalen, ohne es überhaupt zu bemerken. Keine unnötigen Pausen, keine kräftezehrenden Berge, nur ein bisschen Spießigkeit und dank des Navis kaum Verkehr. Schon witzig, dass ich da vorgestern noch im Schlusssprung reinhopsen wollte.

So landen wir auch in Rekordzeit in dem kleinen, und sehr süßen Städtchen Telgte – gesprochen Tellchte –, das wir kurzerhand zum Mittagspausendomizil erklären. Kurze Rechnung: Es ist knapp 14 Uhr und wir haben tatsächlich schon Halbzeit. Und das, obwohl wir erst um 12:15 Uhr Bad Rothenfelde gestartet sind. Looft! So können wir die Zeit noch für ein paar andere Dinge nutzen und Tina besorgt sich in der Apotheke ein Super-Spezial-Kunststoffpflaster, da ihr Sensor sich abzulösen droht. So Super-Spezial, dass es auch knapp 15 Kilometer halten wird. Ich hingegen kümmere mich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben und kaufe ein Eis, bei einer sehr jungen Verkäuferin, die mir für vier Kugeln dann auch echt zwei Euro abnehmen möchte. Ich rechne nach und flüstere ihr dann zu ¨Nee, vier Euro! ” Ihr Chef verdreht die Augen und erwartet, dass wir es ihm von den Lippen ablesen: “Sie ist noch neu.” Das Mädchen wird rot, wir nicken und versichern, alles prima. Ich kann Gewicht von meiner Geldbörse in meinen Magen um verlagern (was übrigens viel zentraler und schwerpunkttechnisch auch optimaler ist), Tina hat ein enttäuschendes Pflaster Für zehn Euro, der Eisdielenchef (natürlich Italiener) vier, statt nur zwei Euro mehr in der Kasse und die junge Dame bald garantiert wieder mehr Tagesfreizeit. Top! Alle zufrieden, dann ab aufs Rad gen Münster. Zu Münster sei gesagt, dass hier nicht nur der beliebteste “Tatort” Deutschlands entsteht, sondern dass es auch eine der fahrradfreundlichsten unseres Landes ist. Mein Navi schlägt uns trotzdem die Umfahrung vor und so werden wir es vermutlich nie erfahren.

Darauf sind sie im Kranencamp stolz: Den eigenen Hafen, unweit vom Kanal

So stoppen wir erst wieder in dem südlichen Vorort Angelmodde, das uns mit seinem durchquerenden Flüsschen zu einer kleinen Hitzepause einlädt. Hier können wir allerhand seltsames Getier beobachten, allem voran eine Dame, die in kompletten Sätzen zu ihrem extrem übergewichtigen Kinderersatz namens Hund spricht und sich sehr darüber ärgert, dass Daisy ihren komplexen Ausführungen nicht folgen kann. Warum greife ich an solchen Stellen eigentlich nicht freundlich und bildungsbewusst, sprich besserwisserischer ein? Erkläre der Zweibeinerin am Ende der Leine, dass ihre Daisy nur deswegen immer das angeblich falsche tut, weil sie verwirrt ist von Frauchens Unsicherheit? Ach, ihr Hundeshalter dieser Welt. Hört endlich auf, eure Tiere zum Kinderersatz zu degradieren. Lest einfach mal ein Buch, wie z.B. Hunde funktionieren. Ich bin sicherlich kein Experte, aber ein vorwurfsvolles “Daisy! Jetzt hör aber mal auf, da geht es doch nicht lang. Du musst doch nicht immer da gehen, wo du nicht sollst. Und jetzt komm endlich, hier lang.” -, KEIN noch so kluger Hund dieser Welt versteht auch nur ein Wort. Ich habe ungefähr sechs Kilometer lang darüber nachgedacht, mit wem ich mehr Mitleid habe: Mit Daisy oder ihrem Frauchen. Am Ende siegte Daisy. Und just in dem Moment als Tina wieder antritt, um einen kleinen Berg zu überwinden, hält mich auch noch eine Dame an, die auf dem geliehenen Rad ihrer Schwägerin unterwegs ist. Sie bittet mich, ihr den Sattel nach oben zu stellen. Mein Christian, dein Freund und Helfer. Er wollte ihr eigentlich den Lenker höher stellen und ist sicher, dass der Sattel viel zu hoch war. Aber weiblicher Überredungskunst ist er nun mal nicht gewachsen und erfüllt dann eben jeden noch so bekloppten Wunsch. Ich darf das sagen, denn ich weiß genau, wovon ich rede. Durch diese Begegnungen werden wir den ersten großen Verlust dieser Tour erst später auf dem nächsten Campingplatz bemerken. Unsere wilde Fahrt durch die Münsteraner Umgebung geht noch einmal drei Kilometer weiter und wir halten als letztem Zwischenstopp an einer Apotheke, in der sich Tina von Ihrem Super-Spezial-Kunststoffpflaster trennt und es gegen ein braunes Pflaster von der Rolle ersetzt, das übrigens bis zum Ablauf des Sensors halten wird. Und garantiert noch weit darüber hinaus. Es geht doch nix über den schicken Leukoplasten. Unglaublich unsexy, dafür wahnsinnig wirksam.

Gartenhaus mit schicker Veranda: Neudeutsch Glamping.

Perfekt ausgerüstet, noch immer gut gelaunt, sind wir bereits am ersten Campingplatz der heutigen Etappe vorbei gerauscht und entscheiden uns für die Variante heute lang, morgen kurz. Was in Zahlen bedeutet:  Nach 73 Kilometern landen wir dann gegen 19.15 Uhr auf dem heutigen Platz, der uns neben den üblichen Dauercampern zusätzlich aber mit einer Hütte für Radfahrer überrascht, die uns den Zeltaufbau erspart. Stell ein schnödes Gartenhaus auf einen Zeltplatz, nenn es Bike&Bed und Schwups, machst du zwei Radler überglücklich. In der Hütte stehen zwei etwas massivere Feldbetten, die wir zusammenrücken und somit die zweite Nacht in Folge fast wie zu Hause nebeneinander einschlafen können. Ein Vordach, ein Grillplatz, Strom, Wasser am Platz und ein dicker Niederländer, der den ganzen Abend Fernsehen auf seinem Smartphone schaut, während seine Frau in Ruhe ihren vierten Pullover des Urlaubs strickt. Urlaub auf niederländisch. Wie schön. Wir fahren noch einmal in die Baustellenstadt Senden, um uns für Abendessen einzudecken, kochen, duschen und nach exakt keiner Flasche Wein (stand zwar auf dem Zettel, hat es aber nicht in die engere Auswahl geschafft) zum Kniffeln gehen wir ziemlich zufrieden ins Bett. Nur eines fehlt: Tinas Fahrradschloss. Das liegt irgendwo in Münster und friert und ist allein… Abgehauen ist es, das dumme Ding. Weil es sich gelangweilt hat. Dabei habe ich ihm extra einen Außenplatz, direkt an der linken Satteltasche geschenkt. Freie Sicht auf alles! Und, was tut es, das undankbare Schloss? Ich bin empört. Enttäuscht. Und sehr sehr traurig. Hörst du, ABUS-9562? SEHR traurig!

Beute! Passt in eine vordere Packtasche und reicht für zwei komplette Tage

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Tag 10 – Ruhetag



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Tag 10 – Ruhetag

Eigentlich wollte ich an Ruhetagen über die vergangenen Fahrtage schreiben und nicht über den Ruhetag selbst. Da sich hier in Bad Rothenfelde jedoch trotz Sonntag und verordnetem Ruhetag das ein oder andere ergeben hat, vielleicht doch ein paar Kommentare. Der erste Regen der Tour und dann gleich ein Unwetter. Wir merken schon heute morgen beim Schreiben, dass sich etwas zusammenbraut. Außerdem steht noch etwas auf dem Plan, was ich gestern nicht umsetzen konnte: ein Bett. Denn auch in der letzten Nacht mussten wir im Zelt schlafen. Aber es gibt hier eine ganz neue und vor allem tolle Unterkunft, die aber in der letzten Nacht belegt war. Und zwar: Trommelwirbel… ein Fass! Richtig gehört, ein Fass. Aber mal von Anfang an.

Das bequem-romantische Highlight im Campotel: Die insgesamt vier Übernachtungsfässer.

Ganz Deutschland feiert heute Muttertag. Auch wir denken natürlich an unsere Mütter und übermitteln ihnen unsere Grüße per SMS. Allerdings läuft der Stimmungsmotor trotz des tollen Platzes, der netten Menschen und Begegnungen noch nicht wieder Hochtouren. Lieb untertrieben. Es läuft mehr als untertourig. Die Tour schlaucht einfach sehr und wir spüren unserer Körper geradezu aufdringlich. Wie ist eigentlich so ein Leben OHNE Rückenschmerzen und dem Dauergefühl, erschöpft und müde zu sein? Ich bitte um Verzeihung fürs lautstarke Lamentieren, aber man darf ja wohl darüber empört sein, auch nach mittlerweile über 700 gestrampelten Kilometern nicht müde genug zu sein, um wie ein Stein zu schlafen.
Also beschließen wir, als um 13:30 Uhr der Regen einsetzt, das Restaurant zum Schreiben zu okkupieren. Schnell richten wir uns ein (wie üblich chaotisches) Feldlager ein, bestellen uns leckeres Essen und beginnen mit der Schreiberei. Draußen wird der Regen immer stärker, was wir aber im Gewölberestaurant kaum zur Kenntnis nehmen. Tina war heute morgen nach dem Aufstehen gleich in der Rezeption, um ein Fass zu buchen. Der Preis schlägt mit 25 Euro/Nacht dem Fass auch nicht den Boden aus und wir hatten schon einen Campingplatz, da wollten die Betreiber das Gleiche für vier Quadratmeter harten Boden haben.

Die Welt geht unter und ertrinkt – unser Klingo-Castle trotzt Gewitter und Starkregen.

Draußen wir der Regen immer stärker… Drinnen setzt er zwischenzeitlich auch mal wieder ein. Ich sag nur: Übermüdung + Hormone + Hunger. Unsere freundlichen Bedienungen retten uns vor dem Hungertod und damit den kompletten Stimmungsabsturz. Nach gegrilltem Fisch an Salzkartoffeln und in Sauce Hollandaise ersäuften Bohnen schreibt es sich plötzlich viel leichter und beim abschließenden Megakniffel macht mir das verlieren nix aus. So beschließe ich mich einmal an der Rezeption nach der Bezugsfähigkeit unseres Fasses zu erkunden. Ein bisschen Verwirrung, da die Dame von heute Morgen in die Dame von heute Nachmittag gewechselt ist. Sie drückt mir einen Schlüssel in die Hand und sagt aber gleich, die Fässer sind von der letzten Belegung noch nicht gereinigt. Eventuell müssten wir uns die Bettwäsche selbst neu beziehen. Ich gehe zum Fass, schaue rein – sehr geil. Das will ich und wenn ich ich die Bettwäsche für heute Nacht erst selber häkeln müsste. Also stapfe ich durch den Regen zurück zur Rezeption, wo sich jetzt die Verwirrung gelegt hat und die liebe Helga Bartels mir einen Schlüssel für ein anderes, bereits gereinigtes Fass in die Hand drückt. Der Regen wird stärker.
Ich gehe zum neuen Fass Nummer 4 und bin genauso begeistert wie gerade eben. Nur eben mit sauberer Bettwäsche. Also gehe ich zurück und verkünde: ¨Gekauft, und ich zieh da nie wieder aus!¨ Der Regen wird noch ein bisschen stärker.

Chaos verbreiten wir auch im kleinsten Fass im Handumdrehen – ohne anstrengen.

Ich wandere zurück ins Restaurant, um Tina die frohe Botschaft zu verkünden und deute an, bei der nächsten Rauchpause unsere Sachen aus dem Zelt in das Fass zu räumen. Während ich noch 30 Minuten schreibe, wird der Regen noch stärker.

Draußen geht inzwischen die Welt unter. Die A2, das erfahren wir am nächsten Morgen, war wegen Überschwemmung mehrere Stunden gesperrt. Auch unserem Zelt und unseren Packtaschen droht der Ertrinkungstod, den Christian allerdings heldenhaft zu verhindern weiß. Und weil dieses ehemalige Waldkrankenhaus so genial konzipiert ist, kann man trockenen Fußes durch den halbkreisigen Bau vom Restaurant bis zur Rezeption wandeln. Großartig.

Aus der örtlichen Tageszeitung am folgenden Morgen – wir sind nur knapp dem Ertrinkungstod entronnen

Als ich endlich beginne die Sachen umzuräumen, kann ich vor Regen die 40 Meter entfernten Bäume kaum noch sehen. Nach zwei von acht Packtaschen bin ich klitschnass. Nach acht von acht ist mir unglaublich kalt. Nur die Vorfreude auf das heutige Bett hält mich überhaupt noch bei Bewusstsein! Also beschließe ich duschen zu gehen. Also gleich nach dem Schreiben… und dem Kniffeln und überhaupt wenn es aufgehört hat zu regnen. Gaaaanz in Ruhe sozusagen. Als wir dann gegen 20 Uhr unsere Zelte abbrechen: Regnet es –  nicht mehr.
Als ich am nächsten Morgen ins Zelt gucke, sehe ich, welcher nassen Nacht wir entgangen sind. Obwohl… Chance vertan, um auf einem Wasserbett zu schlafen. Der Regen, der uns kein einziges Mal während der Tour heimsuchte, fiel an diesem Ruhetag gesammelt. Während ich also im warmen und gemütlichen Gewölbekeller sitze und meine Sicht der Dinge schreibe, ersäuft mein geliebter Lebensmensch beinahe, ohne dass ich es auch nur ahne. Ja, es grollt ein bisschen gewitterig, aber tief unter der Erde, bei Weißwein Nummer zwei, ist das komplette Unwetterausmaß nicht mal zu erahnen. Was für einen unendlich fürsorglichen Mann ich an meiner Seite habe, weiß ich schon lange. Aber heute wird es mir einmal mehr bewusst, als er mich zu unserem Fass bringt: ALLE unsere Sachen sind sicher und trocken da, wo wir sie brauchen. Danke, Mister Lifeguard.
Lassen wir also mal Revue passieren. Die gestern von Tina ausgeschlagenen Übernachtungsmöglichkeiten wären alle keine wirkliche Option für einen Ruhetag gewesen. Hier kann man folgende Schlussfolgerung ziehen: Hör auf das Bauchgefühl Deines Weibes, wenn Du selber schon keines hast! Danke Tina, es war ein fantastischer Ruhetag.

Die Schlüsselgewalt übers Fässchen mussten wir nach einem Tag leider wieder aus der Hand geben.

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Tag 9 – von Porta Westfalica nach Bad Rothenfelde



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Tag 9- von Porta Westfalica nach Bad Rothenfelde

Eigentlich hatte ich den Campingplatz im Weserbogen für einen Ruhetag ausgesucht. Aber irgendwie passt es nicht. Wie so oft, gibt es auch hier keinen Platz, an dem man vernünftig kochen oder gar schreiben kann. Eine Tatsache, die uns ein bisschen stört und mich echt verwundert. Werden es doch gefühlt immer mehr Reiseradler und die sind nun einmal hauptsächlich mit dem Zelt unterwegs. Oder täusche ich mich da?   Du täuschst dich an dieser Stelle. Und zwar gewaltig. Wir haben bislang gerade mal vier Reiseradler getroffen und gesprochen, und zwei an uns grußlos vorbei rauschen sehen. Was ich schon enttäuschend finde. Warum also auf den Campingplätzen Sitz- und Kochmöglichkeiten zur Rarität werden… ich weiß es nicht.   Aber ich. Ok, nicht wissen, aber vermuten. Für mich liegt es auf der Hand: Robuste Sitzmöglichkeiten inklusive Tisch brauchen Platz und kosten Geld. Den Platz eines Zeltes. Und weil es mit einem Sitzplatz-Ensemble pro Campingplatz nicht getan ist, verzichtet man auf Kosten, um weitere Einnahmen verbuchen zu können. Die inzwischen gemachten Erfahrungen sprechen allerdings ein wenig für sich. Denn gerade die kleineren Plätze bieten oftmals ein ursprünglicheres Campingerlebnis, wohingegen sich die großen, wie z.B. der Weserbogen, auf Strandbad, Gastronomie und vorwiegend Caravans zu konzentrieren scheinen. Also könnte man davon ausgehen, dass wir primär kleinere Campingplätze anfahren sollten, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Heute sollte es aber mal wieder ganz anders kommen.

Rechts? Links? Geradeaus? Erst mal selber schauen, nicht nur aufs Navi bauen.

Wenn ich morgens die Route plane, weiß ich nicht genau, was mich erwartet. Ich habe eine ungefähre Distanz, die ich zu planen versuche, suche auf der Strecke nach Einkaufsmöglichkeiten und schaue, dass ich uns von den großen Hauptstraßen fernhalte. Und genau diese Punkte machen die Planung mitunter schwierig. Schwierig, aber lebensrettend! Zwar sehe ich auf dem Navi, wo Berge unseren Weg kreuzen und auch grob, wie hoch die sind, aber selten kann ich die sie überquerenden Straßen einschätzen. Wie also der Belag aussieht, wie die Steigung und ob uns an den Straßenrändern wilde Tiere oder Drogendealer erwarten, verrät mir mein Navi nicht. Ich stelle dann eine Liste von zu durchfahrenden Ortschaften zusammen und klemme sie mir an die Karte, um nicht ständig auf das Telefon/Navigationsgerät schauen zu müssen. Mit ein bisschen Glück finden wir dann Radwege zu diesen einzelnen Zwischenzielen, das ist aber bislang nicht immer der Fall gewesen. Je nachdem, wie sadistisch der Radwegplaner gewesen ist, kommen manchmal dann mehr oder (gaaaaanz selten) weniger Kilometer am Ende zusammen. Plane ich 55 Kilometer werden es im Normalfall 60 oder 65 und das ganz ohne Verfahren. Dabei macht das Navi einen echt guten Job und leitet uns oft durch abgelegene Wälder auf meistens sehr gut befahrbaren Straßen. Aber nur Wald, nur Dorf oder nur Kanal ist eben genauso langweilig wie nur Stadt. Daher meine Umplanung nach Ortschaften, um wenigstens einmal ein bisschen Abwechslung in die Route zu bekommen. Was mich das mitunter nervt! Ausgewiesener Radweg – und wir nehmen trotzdem die Abbiegung. Nicht selten habe ich das Gefühl, wir fahren Umwege. Trotzdem kommen wir unterm Strich immer an. Erstaunlich, irgendwie.

Wenn’s kracht und ächzt, muss der Fachmann dran: Ständerschrauben nachgezogen – fertig.

Als wir heute morgen losfahren, ist wiedermal alles doof. Der vierte Fahrtag in Folge, wir fühlen uns mal wieder ein bisschen abgezockt, kein Frühstück. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Tag startet nicht wirklich gut. Beide haben wir keine gute Laune und die wird auch nicht besser, als wir nach Bad Oeynhausen hereinfahren. Obwohl das Wesertal uns eine wunderbare Auenlandschaft bietet, donnern über uns die Bahn und A2 hinweg und machen das navigieren wieder einmal unmöglich. Dass wir vorher vier Kilometer in die falsche Richtung mussten, um uns mit etwas Essbaren zu versorgen; dass sich der Himmel zuzieht und die Temperatur irgendwo zwischen kochend heiß und eiskalt liegt, verschlimmert meine Laune zusätzlich. Wir fahren mal wieder entgegen der roten Pfeile, eine Gruppe Rentner auf ihren E-Bikes fahren meiner Meinung nach in die richtige Richtung. Ich wage aufgrund der angespannten Stimmung aber keine Bemerkung zu machen, ahne aber, was passieren wird. So landet das Handy nach einer fehlverstandenen Navigationsaufforderung auch bald irgendwie aus Versehen im Acker neben dem Radweg. Dieser kleine cholerische Anfall sorgt dann auch für eine Zwangspause, die wir damit verbringen, Smartphone-Ostern zu spielen. Mit Argusaugen verfolge ich die sanfte Flugkurve des inzwischen echt olle Smartphone mit seiner bedauernswerten Spiderapp im Display. Ich gewinne die Suche und überreiche unseren doch eigentlich so treuen und zuverlässigen Lotsen an mein Rumpelstilzchen. Danke übrigens für die kleine Frust-Eruption. Sie hat geholfen, meine eigenen Befindlichkeiten zu vergessen. Offensichtlich habe ich die Gefühle meines elektronischen Begleiters aufs Ärgste beleidigt, denn nun fängt er an, uns im Zickzackkurs bergauf, bergab an Windkraftanlagen und durch hässliche Spießerreihenhaussiedlungen zu navigieren. Das hat zur Folge, dass unsere Kräfte schwinden und die Stimmung zu kippen droht. Und noch einer droht: Der Himmel über uns zieht sich ein ums andere Mal fürchterlich zu und scheint sich für einen gewaltigen Regenschauer zu sammeln, der uns dann aber doch den ganzen Tag erspart bleiben wird. Wenn die Tour zur Tortur zu werden droht, dann weißt du, dass irgendwas gerade ziemlich schief läuft. Einziger Trost ist das Wissen, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer werden kann. Kaum sind wir aus dem Wesertal raus, müssen wir uns durch den Teutoburger Wald kämpfen, der aber im Gegensatz zum völlig überbevölkertem Tal mit viel wunderschöner Natur und weiter Landschaft protzt. So wie die Umgebung wechselt auch unsere Stimmung plötzlich. Klar, wir sind immer noch erschöpft, aber wenigstens können wir wieder durchatmen und trotz der teils saftigen Steigungen unseren Gedanken freien Lauf lassen. Die Ruhe tut gut und macht das, was sie soll, beruhigen. Die Dörfer werden wieder hübscher, verlassener und vor allem langsamer. Da Tina heute morgen mit heftigen Rückenschmerzen aufgewacht ist und im Moment in den Nächten sowieso nur halbherzig schläft, habe ich großmeisterlich angeordnet, für heute eine Pension zu suchen.  Diese Blöße hätte ich mir nie gegeben. Bin schließlich ein Kampfschwein. Allerdings ein ziemliches müdes und durch den unruhigen Halbschlaf dünnhäutiges. Außerdem wird es auch für mich einfach mal wieder Zeit in einem richtigen Bett zu schlafen. Allen Nachahmern sei geraten, Kuscheldefizite frühzeitig im Keim zu ersticken. Ansonsten besteht nämlich die Gefühlsgefahr, einen Kampfeinsatz irgendwie überstehen zu müssen, statt sich gemeinsam an einem Abenteuer zu erfreuen. Ich hatte im Vorfeld eine Ferienwohnung in Barnhausen herausgesucht. Aber Holländer kommen uns zuvor, die dort mit zwei Familien eingefallen sind. Also weiter ins nächste Dorf, das mit einer Pension und einem Gutshof aufwartet. Die Pension finden wir nicht und die Gutshofangestellten zeigen sich aufgrund einer Familienfeier nicht sonderlich interessiert an uns.   Abgesehen davon hätte ich da nicht bleiben wollen. Es roch nach mehr als hochpreisig und dazu spießig. In der Stimmung bin ich gerade so gar nicht.

In der nächsten Stadt stimmt dann aber auch gar nichts. Das dortige Hotel strahlt eine Kerkerstimmung aus und auch wenn es sicherlich für eine Nacht okay gewesen wäre, einen Ruhetag wollen wir beide dort nicht verbringen. Bleibt also nur noch eine kleine Pension, die von einer Mittsiebzigerin geführt wird, die scheinbar hauptsächlich damit beschäftigt ist, dem Mobiliar aus ihren Kindheitstagen beim Altern zuzusehen. Umso erschreckender ist auch die folgende von Tina ausgeführte Preisaufstellung. So eine Anhäufung an altersmuffigen Ausstattung für 54 Euro anzubieten – natürlich mit Frühstück, junge Frau -, das muss man sich auch erst mal trauen. Ich spüre schon beim ersten Blick auf das Haus sich kräuselnde Zehennägel, nur Christian zuliebe klingle ich. Als sie öffnet, würde ich am liebsten so tun, als hätten wir uns geirrt. So aber folge ich ihr über eine schmale, steile, Teppichbelegte Treppe ins Obergeschoss, wo über allem der Geruch von Mottenkugeln hängt. Gruselig. Nennt mich Prinzessin auf der Erbse – mir doch egal. Nicht mal für Geld würde ich hier übernachten. Mir ist inzwischen schon alles egal. Ich hätte auch diese Pension genommen, nur um mal wieder ein Bett für uns zu haben. Aber Tina will nicht bleiben und drängt darauf, den nächsten Campingplatz anzusteuern, der ganz sicher nicht meine erste Wahl ist. Das Campotel in Bad Rothenfelde. “Campotel”, das hört sich ja schon an wie Luxuscamping auf der an ein Luxushotel angrenzenden Wiese. Auch die Kartenbilder meines Navis sehen eher aus wie eine große Golfanlage, nicht wie ein Campingplatz. Aber gut, einer muss Chef sein und heute bin ich es nun einmal nicht. Also spure ich und rechne die letzten 15 Kilometer durch, die uns zum Glück nur noch bergab aus dem Teutoburger Wald ins Münsterland führen. Zumindest körperliche Höchstleistungen sind jetzt nicht mehr gefragt. Für mich sind diese 15 Kilometer die leichtesten des ganzes Tages. Ob pure Verzweiflung die Restkräfte mobilisiert oder mein Biorhythmus gerade die Sinuskurve hochklettert. Es radelt sich quasi wie von selbst.

Sieht aus wie ein Weg ins Nirgendwo – lässt sich aber dennoch prima fahren.

Und dann stehen wir plötzlich vor den Toren eines Campingplatzes, der Bettmar in meiner persönlichen Liste leider auf Platz 2 verdrängen wird. Denn das Campotel ist weder spießig noch teuer, noch ist es überhaupt ein Hotel. Dafür aber purer Campingluxus. Was erst mal einen Enttäuschungsschauer über meine sonnenverbrannten Handrücken jagt. Ich bin bereit, die goldene Kreditkarte zu zücken, nur um mal wieder in einem richtigen Bett schlafen zu dürfen. Und was sagt die fröhlich-freundliche Martina Kraft an der Rezeption: “Haben wir – sind aber alle belegt.” Ich drohe ihr, mich auf den Boden zu werfen und die Luft anzuhalten. Was sie mit einem lächelnden Schulterzucken und den Verweis, sie würden auch Eis verkaufen, pariert.

Superfreundliches und wahnsinnig gut gelauntes Personal, ein liebevoll und durchdachter eingerichteter Platz von Jemandem, der offensichtlich wirklich Ahnung von den Bedürfnissen der Camper hat. Das aus einem ehemaligen Waldkrankenhaus und anschließender Bereitstellungskaserne der Bundeswehr geformte Areal bietet alles, was unsere Herzen begehren. Eine tolle Campingwiese, superschöne sanitäre Anlagen und zu allem Überfluss auch noch ein tolles Restaurant mit leckerem Essen und fantastischer Bedienung.  Puh! Das sind dann doch mal ein bisschen sehr viel Superlative für meinen Geschmack. Darf ich freundlich an die drei Nachbarzelte mit den insgesamt neun Kindern zwischen vier und 13 Jahren erinnern, die von sich selber sagen, sie seien laut? Hm? Schon vergessen, dass in vier Toiletten das Wasser durchgehend lief, bzw. die Toiletten deswegen nicht zu nutzen waren? Ja darfst Du. Aber die Kinder haben nicht wirklich gestört und in den Damenklobereich setze ich eh nie einen Fuß. Bei den Männern war alles Bestens. Männer halt. Wir sind da viel ordentlicher. Als wir dann abends nach der wohltuenden Dusche beim Essen sitzen, kommen wir mit einem Holländer ins Gespräch, der uns den weiteren Verlauf unserer Reise sehr schmackhaft macht und in uns große Vorfreude auf die Niederlande weckt. Mit seinem rumänischen Hund, einer nicht funktionierenden EC-Karte und viel Lebenserfahrung versüßt er uns diesen doch sehr anstrengenden Tag und gibt uns viele praktische Tipps zu Zielen, die wir in den Niederlanden unbedingt ansteuern sollen. Viel mehr Ziele, als unsere Zeit herzugeben scheint. Der Holländer, mindestens 75, hat genau den Humor, der unseren deutschen Landsleuten so oft fehlt. Und dann der Akzent. Zum verlieben charmant. Und ja, die Service-Kräfte sind wirklich klasse. Vergessen zwei Mal hintereinander Christians Bestellung … Hat hier gerade jemand Nörgelliese gesagt?! Nörgelliese! Der junge Mann war erst seit einer Woche im Geschäft und hat sich vielfach entschuldigt. Außerdem ist die Vergesslichkeit im Laufe des Aufenthaltes irgendwie zum Running-Gag geworden. Unterm Strich werde ich nicht widersprechen. Im Gegenteil. Ein wunderbarer Platz. Dass ich gerade an diesem Tag mit dem linken Fuß aufgestanden bin, dafür können Vater (76), Mutter (75) und Kind (49) ja nichts. Dennoch. Die drei haben mich komplett aus der Fassung gebracht, als sie das Vorzelt ihres großen Karavans erst mit Teppich auslegen und anschließend unter Muttis jammerigen Vorwürfen erst den Kühlschrank mit Gefrierfach und anschließend die Wohnzimmergarnitur aus Plastik aus dem Transporter wuchten.

Windmühle Westhoyel im Natur- und Geopark Nördlicher Teutoburger Wald

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Tag 7 – von Arnum nach Erlengrund



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Tag 7- von Arnum nach Rehburg-Loccum

Es scheint uns zu verfolgen: An einem Tag ist der Campingplatz hervorragend und am nächsten echt schwierig.
Anrum hat uns gezeigt, wie Camping scheinbar heutzutage verstanden wird, und wie wir es auf keinen Fall haben möchten. Wir haben viel gesprochen, sind uns einig: Dauercamper sind an sich in Ordnung. Aber eine maximale Gewinnausbeute an Grund und Boden wie es in Anrum betrieben wird, ist genauso schwachsinnig wie riesige Hotelkomplexe an der Mittelmeerküste. Sowohl die Umwelt als auch die Menschen verlieren an Ursprünglichkeit und werden einfach zu einer grauen Masse. Es ist irgendwie ein bisschen wie zu Hause, wo immer mehr gut betuchte, großstadtmüde Menschen Häuser kaufen und sich so in einer ruhigen Gegend mit netter Bevölkerung eine neue Heimat schaffen wollen. Aber es sind leider zu viele von diesen ich-hab-das-Geld-um-mir-zu-kaufen-was-ich-will-Menschen und diese verdrängen Stück für Stück die ursprüngliche, die nette Bevölkerung. Letztendlich wohnen die Geldsäcke dann doch wieder nur unter Ihresgleichen und sind wieder unglücklich. Für die, die weichen müssen, bleibt dann oft nur der Neuanfang. Bis dann die mit dem Geld wieder wie Heuschrecken über das neue Stückchen ruhige Gegend herfallen. Campingplätze, die jeden Quadratmeter Land vermarkten, verlieren irgendwann eben das Flair eines Campingplatzes und somit ihr Tagesgeschäft.
 Es ist sicherlich verklärend von den guten alten Zeiten zu sprechen. Aber ich bin quasi auf einem Campingplatz aufgewachsen. Ich erinnere mich absolut lebhaft an unser Sommerdomizil im Fürstental, am hessischen Edersee. Die Wiesen waren schräg und blieben schräg. Es wurden Birken gepflanzt, weil die schnell wachsen und entsprechend schnell Schatten spenden. Unsere Väter bauten Stege, von denen wir ins Wasser hüpften. Am Abend saßen wir unten am Ufer am Lagerfeuer. Niemand parkte sein Auto neben seinem eingebunkerten Wohnwagen, in den Vorzelten standen weder Kühlschränke noch Spülmaschinen oder gar Flachbildschirme. Wir holten für unsere Nachbarn mit Brötchen, spielten Volleyball oder veranstalteten Segel- und Surfregatten, paddelten über den See und wenn es regnete, lagen wir in unseren Zelten und lasen oder kniffelten mit unseren Eltern im Wohnwagen. Es war ein freundliches, fröhliches, offenes Miteinander. Ich fürchte allerdings, dass mein Kindheitsparadies inzwischen auch eine Menge von seiner Unschuld verloren haben könnte. Es wird vermutlich Zeit, das mal zu überprüfen.
Eine blöde Serie in meiner Planungswut sollte uns allerdings für diesen Tag wieder einmal zu einem fantastischen Campingplatz führen und dass, weil keiner von uns bereit war, noch einmal so eine Abzocknummer zu akzeptieren. Aber vorerst die Geschichte, die uns zur Geschichte geführt hat.

Laut und stressig gehts neben der vielbefahrenen Landstrasse zum nächsten Radweg.

Wir verschwinden morgens früh und wieder ohne Frühstück vom Campingplatz. Das Ziel der heutigen Etappe ist ein Campingplatz in Mardorf am Steinhuder Meer. Obwohl Niedersächsin, war selbst Tina noch nie dort, hat aber Freunde, die davon schwärmen. Also bin ich ein bisschen Co-aufgeregt ob der Aussicht auf einen tollen Campingplatz. 
Das Einzige, was ich nicht berechnet hatte, war der Vatertag. Klar, im Vorfeld wussten wir schon, dass es ein Feiertag ist und haben uns daher auch mit allen Nötigem eingedeckt, um diesen Tag zu überstehen. Aber: Vatertag heißt eben auch ein darauffolgender Brückentag. Selbstredend, dass dieser Tag gern als verlängertes Wochenende genutzt wird. Gerade bei Gelegenheits-Campern ist dies doch der erste offizielle Tag der Saison. Diesmal gibt es dann leider auch kein Frühstück beim Bäcker, sondern an der Tankstelle mit zwei noch warmen und wirklich ausgezeichneten Brötchen. Gut gestärkt, sehen wir uns bereit für die Durchfahrt von Hannover. Die ersten Traktoren mit trinkstarken und gut gelaunten Männern ziehen bereits in den ersten Minuten an uns vorbei, sind überraschenderweise kein bisschen nervig. Ich habe mich nur den ganzen Tag gefragt, unter welchen Umständen der Fahrer bestimmt wird. Was bringt diesen armen Kerl dazu, den ganzen Tag seine besoffenen Kumpel durch die Gegend zu kutschieren? Ich fürchte, die auserwählten Fahrer haben viele Leichen in ihren Kellern.

 

Hannover von seiner allerschändlichsten Seite

In Hannover weichen die zahlreichen Träckergespanne dann hauptsächlich Jugendgruppen mit Bollerwagen, die auch ohne Frage sehr lustig und kein bisschen aggressiv sind. Als wir auf den Leineradweg entlangfahren, spielt aus einem der soundtechnisch modifizierten Gefährte sogar ein uns gut bekanntes Salsa-Lied. Dispositio – ich LIEBE diesen Song. Und ein bisschen hatte ich gehofft, dass er unser Tour-Song wird. Ich fordere Christian zum tanzen auf und obwohl er sich für einen Moment geniert, hat er genauso viel Spaß wie ich. Ich wusste nicht, dass ich in Fahrradschuhen Salsa tanzen kann. Für unsere kleine Tanzeinlage ernten wir Beifall und Jubelrufe. Als wir durch Seelze fahren, kommt Tina auf die Idee, den in Hannover lebenden besten Freund ihres verstorbenen Vaters zu besuchen. Kurzentschlossen ruft sie bei ihm an und wir werden herzlich von ihm und seiner Frau eingeladen. Ein klitzekleiner Umweg, der mich zu zwei wunderbaren und unglaublich gastfreundlichen Menschen führt, die mir ohne Tina vorenthalten worden wären. Rolf und Edith kenne ich seit über 40 Jahren und auch wenn wir uns nur selten sehen – das letzte Mal auf der Beerdigung meines Vaters vor eineinhalb Jahren -, sind sie wichtige Menschen in meinem Leben. Nicht nur, weil sie quasi mit die engste Verbindung zu meinem Vater sind. ¨Oh, ihr seid mit dem Rad da, dann sage ich den Tisch beim Italiener wieder ab und wir kochen etwas!¨ Rolf ist kein Mensch großer Reden, er macht einfach und so werden wir nach einer kurzen Wohnungsführung köstlich mit Nudeln und, eine Neuheit für mich, gebratenem Fenchel bewirtet. Wir wären gern noch eine Weile geblieben und hätten sicher auch den ganzen Nachmittag verquatschen können. Aber leider sind es noch 30 Kilometer bis zum Steinhuder Meer. Daher müssen wir uns nach zwei Stunden und damit viel zu schnell verabschieden. Vielleicht hätten wir doch noch ein bisschen bleiben sollen, denn plötzlich hat sich der Wind gegen uns verschworen und bläst uns kräftig entgegen. Ein Omen auf das, was uns am Steinhuder Meer erwarten sollte?

Der auserwählte Platz liegt im Nordwesten des Sees und so schlägt das Navi eine Route über die östliche Küste vor. Es sind zwar wieder die altbekannten, wunderschönen, niedersächsischen Ortschaften, die da der nicht sonderlich hübschen Silhouette von Hannover einen Platz abringen, aber vom eigentlichen See haben wir nichts gesehen.   Das muss man erst mal stemmen: Zum Steinhuder Meer fahren, ohne einen Tropfen Wasser gesehen zu haben.) Als sich 12 Kilometer vor dem Campingplatz auch noch ein Wolkenbruch ankündigt, legen wir in weiser Voraussicht schon einmal die Regensachen an und sicheren die Packtaschen. Regen gibt es dann aber auch im Norden des Steinhuder Meeres nicht, genau wie wir auch weiterhin kein Wasser zu Gesicht bekommen sollten. Der nördliche Weg führt aber durch ein Moorgebiet, was nicht besser zur vom Wetter verströmenden Stimmung hätte passen können. Und so kommen wir dann um kurz nach 16:30 Uhr an dem Platz an, der uns einen nachhaltigen Eindruck von Wirtschaftscamping vermittelt. Von Außen macht er einen guten Eindruck, wir bekommen aber bereits an der Anmeldung unsere Abreibung, als man von uns den Unkostenbeitrag für drei Tage verlangt.  Nur mal so: Ein Zelt, zwei Personen, eine Nacht, sollte 51 – in Worten einundfünfzig Euro kosten! Hallo?!?! Gehts eigentlich noch? Zeltplätze werden dort nämlich über Himmelfahrt und Pfingsten nur für das gesamte Wochenende vergeben. Also entweder 3 Tage zahlen oder wieder abziehen. Als wir der mittelalten Rezeptionsdame erklären, dass uns das zu teuer ist, erwidert sie mit einer Mischung aus Hohn und Mitleid, dass wir es gerne wo anders probieren können, es aber überall genauso teuer ist und es überall so voll sein wird.

Nach dem Reinfall mit Anrum verlassen wir die Rezeption mit einiger Wut im Bauch. Im Übrigen: ¨voll¨ war dieser Campingplatz keineswegs. Gut gefüllt ja, aber voll auf keinen Fall. Wir sind beide bockig und suchen eine Alternative, die uns noch weitere 20 Kilometer kosten soll. Dazu müssen wir durch Mardorf, ein kleines touristisches Örtchen, in dem die Leute offensichtlich jeden zweiten Tag einen anderen Markt veranstalten. Heute ist der Dorf- und Bauernmarkt dran und so können wir wenigsten noch eine Waffel, einen Kaffee und ein paar Stück Kuchen ergattern. Und haben auch noch was Gutes getan: Der Erlös vom Kuchen ging komplett an die Konfirmandengruppe. Habe nix mit Kirche am Hut – aber solche Sachen unterstütze ich aus Nostalgiegründen gerne.So gestärkt, aber dennoch demotiviert geht es auf die heutige Schlussetappe nach Münchenhagen, einem Zeltplatz, der mit direktem Anschluss an das Dino-Land auch wieder nichts Gutes verheißt. In Gedanken male ich mir schon Kinderterrorgruppen aus, die einen mit einem überforderten Studenten ausgestopften Stoffdino drangsalierten. Aber Pech gehabt, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mitten im Tal gelegen, lag einer der großartigsten Campingplätze unserer bisherigen Tour. Pferde, Hunde, nette Camper und Birgit, die Herrin des Platzes heißen uns herzlich willkommen und ihr Mann Harry bekocht uns in seiner Kneipe ¨Harry`s Wild es Eck¨ wie bei Mutti. Aus der Raupe mit Namen ¨miese Erwartung¨ entpuppte sich ein wahrer Schmetterling mit Namen ¨Erlengrund¨. Ich weiß übrigens gar nicht, warum meine Tina immer schimpft, dass ich nichts von Romantik verstehe – kann ich doch! Zum Thema Romantik könnte an dieser Stelle vielleicht vorsichtig angemerkt werden, dass sie eben immer sehr unerwartet kommt. Und dann bin ich so überfordert… ok. Keine weiteren Beziehungsinterna. Was mein Herzensmann aber vergessen hat zu erwähnen: Vor der Belohnung hat der liebe Gott (oder wer auch immer) die Strapaze gesetzt. Und die waren in diesem speziellen Fall enorm und in Form böser Steigungen, und ich bin ein klitzekleines bisschen empört, hier kein Wort darüber zu lesen! Der Weg ins verwunschene Paradies war buchstäblich steil und steinig. Das sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt. Und wären die Duschen ein bisschen moderner gewesen, Erlengrund hätte Bettmar vorläufig vom ersten Platz verdrängt.

Mehr als zehn kleine Jägermeister – Kunstprojekt der fröhlichen Kümmerlingkonsumenten im Erlengrund

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Tag 4 – von Räbke nach Bettmar

Meistens ist es gut, dass man beim Aufstehen nicht so genau weiß, was einen den ganzen Tag über erwartet. Manchmal aber auch doof. Insbesondere dann, wenn einem der Abend eine schöne Überraschung bereiten möchte und der Ausblick auf ein Ziel motivierend wäre.

Wir können uns heute erst um halb 11 vom Campingplatz in Räbke trennen. Drei anstrengende Tage stecken uns in den Knochen und da fällt der Start heute morgen schon etwas schleppend aus. Dennoch, unsere Abbau- und Packzeit wird täglich kürzer. Mein Kaffeedurst hingegen verlangt heute am vierten Tag nach zwei Wiederholungen. Keiner von uns ist sehr begeistert von unserem Nachtdomizil und so fahren wir ohne viel Zeit zu verschwenden unter Verzicht auf Frühstück vom Platz. Prinzipiell ist es leicht zu sagen, was einen guten Campingplatz für uns Reiseradler ausmacht: Eine gerade Wiese, gerne etwas schattig. Preis-Leistung sollten stimmen, d.h. um die 15 Euro für zwei Personen in einem Zelt. Saubere und funktionale (keimfreie, d.h. ohne Schimmel) sanitäre Einrichtungen und Sitzmöglichkeiten – Tisch mit Bank ist optimal zum kochen /essen. Wenn es dann noch Waschmaschine / Trockner und eine Spülküche gibt – großartig. Aber am Ende ist das eben doch nicht alles. Denn all dies (bis auf den Tisch) war in Räbke vorhanden. Warum wir uns trotzdem nicht wohlgefühlt haben? Die Atmosphäre hat nicht gestimmt. Eine Traurigkeit, eine Art Vergessenheit, das Gefühl von längst vergangenem Glanz und verloren gegangener Lebendigkeit lagen über dem durchaus gepflegten Platz, an dem der Müllplatz täglich zwischen 9 und 9.15 Uhr geöffnet hat.

Sonne und Wind sind weiterhin gute Freunde und so lassen wir uns durch eine hügelige Landschaft Richtung Königslutter am Ems treiben. Selbst die Autofahrer sind am heutigen Montag noch relativ entspannt und so finden wir auch schnell einen Bäcker, der uns mit belegten Brötchen und mich mit einem weiteren Kaffee versorgt. Klingt ereignislos? Ist es auch. Ach, was heißt schon ereignislos. Ja, wir wurden nicht von einer Polizeistreife angehalten und unter Verdacht, eine Bank überfallen zu haben vorübergehend festgenommen. Und es gab auch keinen Streit über die Anzahl der Kaffee-, bzw. Rauch- bzw. Zuckerpausen. Aber wir hatten viel Zeit, unseren Gedanken nachzuhängen. Und das, so viel kann ich verraten, ohne zu persönlich zu werden, ist schon echt ereignisreich.

Frühstück vor dem Supermarkt – im echten Leben nicht vorstellbar. Auf Reisen die Rettung.

So schön die niedersächsische Landschaft auch ist, sehr aufregend ist die Tour über die kleinen idyllischen Dörfer nicht. Lediglich die Kleinstädte bieten ein bisschen Aufregung. Zum Beispiel als uns in Königslutter ein Autofahrer beim Abbiegen an einer Kreuzung aufmerksam begutachtet, während er drei andere Reiseradler, die rechts von ihm die Kreuzzug überqueren wollen, fast überfährt. Ob es an uns liegt, dass der gute Mann unaufmerksam ist, weiß ich nicht. In jedem Fall ist es für alle Beteiligten eine Schrecksekunde. Außer für den Abbieger, er scheint von dem Trubel nichts mitbekommen zu haben.  Ha! Und diese Geschichte hat uns die Möglichkeit gegeben, endlich mal wieder lang und breit und lautstark und unflätig über Autofahrer im Allgemeinen und SUV-Fahrer im Besonderen zu führen. Hitzig zu führen, das möchte ich noch betonen.

Der Rest ist typischer Navigationsmist. Meine Karte ist für Städte nicht geeignet, die Ausschilderung von Radwegzielen oftmals schwierig, und mein Telefon, welches ich in den Städten zur Routenfindung benutze, bei dem Straßenlärm einfach viel zu leise.  Voll dankbarer Naivität verlasse ich mich ja auf meinen routinierten Routenfinder. Und verfluche mindestens einmal täglich die Motorradkarte, die zu ungenau ist und das Navi, das sadistische Freude einprogrammiert bekommen haben muss. Warum sonst führt es uns gerne mal durch die allerübelsten Wohngegenden? Und wenn ich übel sage, meine ich unfassbare Rama-Werbungs-Idylle, die von lächerlicher Truman-Show-Qualität ist. Aber ich steigere mich da schon wieder in was rein, was ja durchaus seine Berechtigung hat.

Welcher Weg führt jetzt zum Ziel? Am Ende sogar der Umweg.

In Braunschweig fragen wir uns schließlich nach einer Post durch, um uns endlich von diversem überflüssigem Gepäck zu trennen. Das geht besser als erwartet. Wir müssen zum Bahnhof und es klappt schnell und unkompliziert. Hier möchte ich eine persönliche Anmerkung an Tinas (Bundes)-Landsleute machen. Sie sind alle sehr freundlich und auch wenn kaum einer eine offene Neugier für uns entwickelt, scheinen sie durchaus interessiert an uns. Ach ja? Ich hatte nicht das Gefühl, dass uns überhaupt irgendjemand wahr genommen hat. Aber das Paket nach Hause schicken ist schon eine innerliche Ohrfeige: Zuhause hatte ich eine Packliste, die ich während des dreitägigen Packprozesses immer weiter zusammengestrichen habe. Ich war am Ende echt stolz auf das kleine Gepäck. Und nun hat sich rausgestellt, dass es immer noch zwei T-Shirts, eine Hose, drei Paar Strümpfe, ein Kleid (ich fahre nur im Kleid. Geh mir weg mit unvorteilhafter und teurer Funktionswäsche), eine dickere Windjacke, zwei Tupperdosen und einmal Feuchttücher zu viel sind.






Als wir Braunschweig fast sieben Gepäckkilo leichter verlassen, bin zumindest ich ziemlich beeindruckt von der Stadt, die wesentlich mehr Grün als Braun zu bieten hat. Komisch, ich habe immer gedacht, Braunschweig wäre eine graue Industriestadt. In Wahrheit ist sie durchaus hübsch und auch ein bisschen quirlig.

Wir fahren durchs Grüne weiter nach Vechelde, wo wir uns mit den Lebensmitteln für das Abendessen eindecken und beenden den sportlichen Teil unseres Tages in Bettmar, einem 1000 Seelendorf. Hier erwartet uns einer der besten Campingplätze der bisherigen Tour. Wir wählen einen wundervollen Platz direkt am See, der für die nächsten beiden Tage unser Heim sein wird. Klingt ereignislos? War es auch.

Kommt immer drauf an, welche Maßstäbe man ansetzt. Es war ein relativ entspannter, freundlicher und friedlicher Tag. Beinahe schon entspannend. Ich mochte ihn.

Couchen mit Blick auf den Waldsee – besser gehts nicht.

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